Kammerschauspieler Michael Janisch überraschend gestorben

6. Dezember 2004, 10:13
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77-jähriges Ehrenmit­glied des Burgtheaters wurde TV-Publikum auch als österreichischer "Tatort"-Kommissar Fichtl bekannt

Wien - Der Wiener Schauspieler Michael Janisch ist Montag Mittag in Wien im Alter von 77 Jahren überraschend gestorben. Das gab die Direktion des Burgtheaters, dessen Ehrenmitglied Janisch war, am frühen Abend bekannt.

Über Burg und Festspiele zum "Tatort"-Fichtl

Als rauer TV-Polizist mit Herz hat er an zahlreichen "Tatorten" ermittelt. Bekannt wurde Kammerschauspieler Michael Janisch, aber schon lange davor durch seine zahlreichen Rollen am Burgtheater und bei den Salzburger Festspielen. Im Laufe seiner Karriere verkörperte er auf verschiedenen Bühnen Rollen von Shakespeare bis Schnitzler, von Lope de Vega bis Nestroy und von Grillparzer bis Hochwälder.

Max Reinhardt-Seminar

Janisch, am 21. Juli 1927 in Wien geboren, wurde 1943 am Max Reinhardt-Seminar aufgenommen, wo er nach Militär-Einsatz und amerikanischer Gefangenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg seine Ausbildung abschloss. Seine Laufbahn begann der Schauspieler als "jugendlicher Liebhaber" am Landestheater Salzburg. Über Linz kam er an das Burgtheater nach Wien, wo er sich in unzähligen Rollen einen Namen machte - als Pylades in "Iphigenie auf Tauris", als Galomir in "Weh dem, der lügt", als Kreon in Grillparzers "Medea" oder als Doria in "Die Verschörung des Fiesko zu Genua".

Verließ Burgtheater in der Ära Peymann

Daneben spielte Janisch bei den Salzburger Festspielen, an den Münchner Kammerspielen, am Münchner Residenztheater und auf zahlreichen Tourneen in Deutschland, der Schweiz und Holland. Seit 1968 war er Kammerschauspieler. Im September 1987, nach rund 40-jähriger Mitgliedschaft im Ensemble des Hauses, verließ Janisch das Burgtheater auf Grund von Auseinandersetzungen mit dem damals neuen Direktor des Hauses, Claus Peymann.

Janisch stand für zahlreiche österreichische, deutsche und internationale Filmproduktionen ebenso vor der Kamera wie für TV-Serien ("Die liebe Familie", "Donauprinzessin", "Salzburger Nockerln"). Im "Tatort" diente er sich als "Fichtl" vom Inspektor ("Geld für den Griechen", "Blinde Angst", "Seven-Eleven", "Telephongeld", "Kinderspiel") über den Oberinspektor ("Stahlwalzer", "Ostwärts", "Die Freundin", Kolportage") bis zum Chefinspektor ("Hahnenkampf", "Morde ohne Leichen") hoch. Die Rolle des mürrischen Polizisten verkörperte er aber bereits zuvor unter anderen "Tatort"-Chefs wie Kurt Jaggberg und Fritz Eckhardt.

Auch an Hörspielen wirkte der vielseitige Schauspieler mit. Für seine Leistungen wurde Janisch u.a. mit der Jugendkunstmedaille der Stadt Wien, dem Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse und dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet. (APA)

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