Ostkongo: Tausende Zivilisten wegen Kämpfen auf der Flucht

5. Dezember 2004, 11:16
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Ruanda weist Berichte über Truppenentsendungen ins Nachbarland zurück - USA schicken Sondergesandten in Region

Goma/Washington - Tausende Zivilisten in der Demokratischen Republik Kongo sind seit Donnerstag wegen Kämpfen im Osten des Landes auf der Flucht. Nach UNO-Angaben gab es Kämpfe zwischen "Unbekannten" und ruandesischen Hutu-Rebellen im Grenzgebiet zwischen dem Kongo und Ruanda nördlich der Stadt Goma. Der Leiter der UN-Mission im Kongo, M'Hand Djalouzi, hatte zuvor von einer Gruppe von rund hundert ruandesischen Soldaten in der Region berichtet. Die ruandesische Regierung dementierte die Präsenz vom Truppen im Nachbarland, behielt sich aber vor, Soldaten zu schicken. Die USA kündigten die Entsendung eines Sondergesandten an.

Keine bestätigten Angaben über Identität der Angreifer

Mehrere tausend Kongolesen aus der Region nördlich der Stadt Goma seien auf dem Weg in weiter nördlich gelegene Gebiete, sagte UNO-Vertreter Bernard Le Flaive der Nachrichtenagentur AFP in Goma. In den kommenden Tagen sei mit weiteren Flüchtlingen zu rechnen. Über die Identität der Angreifer wollte er zunächst keine Angaben machen, da ihm noch keine bestätigten Angaben vorlägen.

Präsident Ruandas: Bericht über Truppen im Kongo sind "falsch"

Ein Berater des ruandesischen Präsidenten Paul Kagame sagte in Kigali, "alle Berichte" über ruandesische Truppen im Kongo seien "falsch". Gleichzeitig schloss er einen Einmarsch in das Nachbarland nicht aus. Sollte es zur "Verteidigung der territorialen Integrität" Ruandas nötig sein, sei das Land "gezwungen", in den Kongo einzumarschieren. Kigali marschierte bereits zweimal in den Kongo ein, um gegen Hutu-Rebellen zu kämpfen, zuletzt während des Krieges von 1998 bis 2003.

Bisherige Einmärsche mit Kampf gegen Hutu-Rebellen begründet

Die ruandesische Regierung begründet ihre Einmärsche mit dem Kampf gegen Hutu-Rebellen im Kongo. Nach dem Völkermord in Ruanda vor zehn Jahren waren die verantwortlichen Hutu-Milizen vor der neuen Tutsi-Regierung in den Ostkongo geflohen. Die kongolesische Regierung hat auch nach dem Ende des Bürgerkrieges keine Kontrolle über diesen Teil des Landes, in dem Rebellen seit Jahren um die Kontrolle der großen Rohstoffvorkommen kämpfen.

USA will Sondergesandten in Kongo schicken

Die USA kündigten an, der Sondergesandte solle nach Ruanda und in den Kongo reisen, um eine friedliche Lösung der sich anbahnenden Krise zu suchen. "Wir glauben, dass die beiden Länder ihren Konflikt diplomatisch lösen sollten und nicht militärisch", sagte US-Außenamtssprecher Adam Ereli. Washington sei bisher nicht unbhängig in der Lage gewesen, festzustellen, ob sich tatsächlich ruandesische Soldaten im Kongo befänden. Deshalb solle Donald Yamamoto, ein ranghoher Mitarbeiter des Afrika-Referats im US-Außenministerium, für eine neuntägige Vermittlungsmission in die Region reisen. (APA/AP)

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