Fernseh- und Filmforum: "TV-Formate sind Ideen"

7. Dezember 2004, 14:15
1 Posting

Balanceakt zwischen Information und Unterhaltung als Herausforderung für öffentlich-rechtliches TV

Das Fernsehen ist ein Unterhaltungsmedium, zugleich aber - vor allem wenn es öffentlich-rechtlich ist - eine wichtige Informationsquelle. Das 16. Fernseh- und Filmforum in Wien diskutierte am Freitag über "Neue Formate: Zwischen Information und Unterhaltung". Die "Balance zwischen Information und Unterhaltung" müsse nicht "Infotainment" heißen, betonte ZDF-Intendant Markus Schächter. Für Boris Bergant, Chef des slowenischen RTV, sind Formate schlicht "Ideen", die an Kultur und Mentalität angepasst gehören. ORF-Generaldirektorin Monika Lindner betonte das Bedürfnis des Publikums nach einer "guten Mischung" aus Unterhaltung und Information.

Lindner: "Information alles, was Non-Fiction ist"

"Das Publikum will informiert werden, will gescheiter werden, will sich entspannen und will sich unerhalten", so Lindner. Nach wie vor herrsche die Auffassung vor, dass "Information" mit "Nachrichten" gleichzusetzen sei. "Das ist ja überhaupt nicht wahr. Meiner Meinung nach ist Information alles, was Non-Fiction ist." Dazu gehörten auch Sport, Lebenshilfe oder Service-Sendungen. Lindners Ansicht nach werden sich die "Grenzen zwischen Information und Unterhaltung verschieben und auch verschieben müssen. Der einzige Punkt, wo es keinerlei Kompromisse geben kann, sind die klassischen Nachrichten". Aber auch die müssten sich verändern: Die "Zeit im Bild 1" habe zwar ein konstantes Publikum, der jungen Zielgruppe aber habe man mit den "Newsflashes" ein neues Angebot gemacht.

Schächter: "Fernsehen ist das letzte Lagerfeuer"

Dem Publikum sind Formate und ihre Grenzen egal, meinte Schächter. Was zähle sei "Emotionalität, Orientierung, Zugewinn an Information, Zeitvertreib und soziales Erleben". Ganz wichtig sei "erklären und erzählen", denn "das Fernsehen ist das letzte Lagerfeuer", glaubt der ZDF-Chef. Als gelungenes Beispiel für die Balance zwischen Information und Unterhaltung nannte er Dokumentationen, die derzeit eine "Renaissance" feierten.

Fernsehen müsse "Geborgenheit" bieten

Was Bergant bestätigte: "Wir brauchen mehr Dokumentationen, um Hintergründe zu erklären. Allerdings gibt es wenig Geld dafür." Das Fernsehen müsse den Zuschauern auch "Geborgenheit" bieten: "Die Leute sind frustriert, man sieht nur noch Kriege und Attentate." (APA)

Share if you care.