Akzeptanz für ältere Mütter steigt

13. Dezember 2004, 11:26
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Expertin: Alterungs­prozess setzt später ein - Einfluss von Rollenbildern und Arbeitsmarkt - mit Grafik

Wien - Zwillinge zum 57. Geburtstag? Schon lange geht bei dieser Vorstellung kein Schreckensschrei mehr durch die Gesellschaft und als sie vor rund zwei Wochen in New York zur Realität wurde, zeigten sich selbst die Boulevard-Medien nur mäßig interessiert. Auch hier zu Lande sind "späte Mütter" längst alltäglich, denke man nur an ZiB-Lady Danielle Spera oder Woman-Herausgeberin Uschi Fellner, die beide mit über 40 Jahren Nachkommen zur Welt brachten. Laut Statistik Austria aus dem Jahr 2002 liegt das durchschnittliche Gebäralter von Frau Österreicher bei 29,3 Jahren- zehn Jahre zuvor waren es noch 27,3.

Alterungsprozess

"Der Trend zur späten Elternschaft spiegelt ein gesellschaftliches Phänomen wieder", so Kornelia Steinhardt vom Institut für Erziehungswissenschaft in Wien. Der Alterungsprozess würde heute insgesamt später einsetzen: So sei eine heute 40-Jährige nicht älter als vor einigen Jahrzehnten eine 35-Jährige. Daher seien auch die Risiken bei einer späten Schwangerschaft heute geringer als noch vor einiger Zeit.

Die Statistik spricht eine eindeutige Sprache: Mehr als jede vierte Mutter war im Jahr 2003 zwischen 30 und 35 Jahre alt und jede zehnte war zwischen dem 35. und 40. Lebensjahr, als sich der erste Nachwuchs einstellte. Auch den Männern wuchs erwartungsgemäß schon so manches graues Haar, wenn sie ihren ersten Sprössling in die Hände schlossen: jeder fünfte Vater war zwischen 35 und 40 Jahren und sieben Prozent waren bis 45 Jahre alt.

Rollenbild und Arbeitsmarkt

Der Wandel der klassischen Rollenbilder hat dazu geführt, dass es heute nicht mehr selbstverständlich ist, zwischen 20 und 30 Jahren Nachwuchs in die Welt zu setzen. Oft wollen Frauen auf eigenen Beinen stehen und Karriere machen, bevor sich der Kinderwunsch einstellt. Auch die unsichere Situation am Arbeitsmarkt treibt Paare zum späten Elternglück, meinte die Erziehungs-Expertin. Früher waren alte Eltern vor allem auf Grund der damit verbundenen Stigmatisierung für Kinder häufig problematisch. Vorurteile gebe es hingegen heute kaum noch, da das Phänomen der Eltern über 30 völlig alltäglich geworden ist, so Steinhardt.

Fertilität sinkt mit dem Alter

Die biologische Uhr darf allerdings nicht völlig außer Acht gelassen werden, denn glaubt man dem neuen Buch von Nadja Brandstätter, Georg Freude und Euke Frank "Späte Mütter, späte Väter", sinkt die Wahrscheinlichkeit auf natürlichem Weg schwanger zu werden ab dem 35. Lebensjahr rapide. So werden nur mehr 20 Prozent der Frauen über 35 innerhalb von sechs Monaten bei ungeschütztem Verkehr schwanger. Auch die Mär vom ewig voll fruchtbaren Mann sei längst widerlegt: Ab dem 35. Lebensjahr sinkt nämlich die Anzahl der intakten Spermien jedes Ejakulats.

Die Erziehungswissenschafterin kann sowohl jungen als auch alten Eltern Nach- und Vorteile abgewinnen. Das Um und Auf einer Erziehung sei es, dass Erwachsene eine Beziehung zu ihrem Nachwuchs aufbauen und sich auf dessen Interessen einlassen. Junge Eltern seien hier oft flexibler, entspannter und spontaner, wohingegen die Oldies sich zum Teil intensiver ihren Kindern widmen können, weil sie ihre Karriere oftmals bereits hinter sich gebracht haben und nicht mehr das Gefühl haben, etwas zu versäumen. (APA)

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