Hintergrund: Konrad Lorenz

19. Februar 2005, 15:01
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DÖW: "Rassismus soll naturwissenschaftlich abgesichert werden" - Lorenz´ Rolle während dem NS-Regime Gegenstand von Spekulationen

Wien - Die Rolle Lorenz' während des Nationalsozialismus ist Gegenstand von Spekulationen wie auch aufwändig recherchierter Arbeiten. Im Vorjahr erschien eine umfangreiche Biografie, welche das Leben des Nobelpreisträgers durchleuchtet. Für die Autoren Klaus Taschwer und Benedikt Föger steht fest, dass Lorenz vor allem in populärwissenschaftlichen Arbeiten Aussagen getätigt hat, die den Nationalsozialisten höchst willkommen gewesen sein dürften. Fest steht für die beiden Autoren auch, dass Lorenz nicht an Verbrechen in Zusammenhang mit dem Nazi-Regime beteiligt war. Offen bleibt dagegen die Frage ob Lorenz ein überzeugter Nazi oder nur ein politisch naiver Opportunist war.

Abgesehen von der Nazi-Frage ist Lorenz auch als Wissenschafter nicht mehr unumstritten. Während er für die einen in einem Atemzug mit Charles Darwin genannt wird, werfen ihm Kritiker vor, er habe "unwissenschaftlich" gearbeitet. Seine Studien hätten aus bloßem Beobachten bestanden, dabei seien ihm viele Fehler unterlaufen.

"Rassismus naturwissenschaftlich absichern"

Heribert Schiedel vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) erklärt, warum sich Burschenschaften auf Lorenz beziehen: "Sie versuchen mit Konrad Lorenz, Otto König oder Irenäus Eibl-Eibelsfeld ihren Rassismus naturwissenschaftlich abzusichern." Lorenz´ Arbeiten über Vererbung und das Instinkthafte würden guten Stoff liefern, um den Biologismus "wissenschaftlich" abzusichern.

"Dazu kommt, dass sich diese Leute nicht gegen Vereinnahmungsversuche gewehrt haben", fügt Schiedel hinzu. Im Jahr 1973 habe Lorenz den "Schiller-Preis" vom "Deutschen Kulturwerk europäischen Geistes" angenommen, das vom DÖW als "neonazistisch" eingestuft wird. (APA/sof)

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