Zivildiener fühlen sich übergangen

2. Dezember 2004, 11:57
39 Postings

Vertreter Christian Kollmann äußert im STANDARD-Gespräch Unzufriedenheit mit der Reformkommision

Christian Kollmann, der als Vertreter der Zivildiener in der Reformkommission sitzt, sieht die Interessen der Betroffenen übergangen: "Das wahre Problem – der Personalmangel in den Trägerorganisationen – wird kaum angesprochen, dafür wird kalkuliert, wie wenig Zivildiener kosten dürften", erzählt er im STANDARD-Gespräch.

Vor allem das Rote Kreuz, das derzeit über etwa 3000 Zivildiener verfügt, versuche mit dem Argument, dass bei einer Verkürzung der Zivildienstdauer unter zehn Monate sich Zivildiener nicht mehr rentieren würden, Druck auf das Innenministerium zu machen.

Dabei werde übersehen, dass der Zivildienst früher ebenso wie der Wehrdienst acht Monate gedauert hat und Zivildiener durchaus auch damals in Blaulichtorganisationen Dienst gemacht haben.

Kollmann rechnet vor, dass ein Zivildiener beim Roten Kreuz – nach Abzug des staatlichen Kostenbeitrags zur Ausbildung – monatlich nur mit 93,50 Euro zu Buche schlagen dürfe. Zum Vergleich: Die Arbeitsleistung eines hauptamtlichen Mitarbeiters wäre mit 1878 Euro zu veranschlagen.

Daraus sei auch zu erklären, dass das Rote Kreuz massives Interesse an einem langen Zivildienst hat – und sich massiv dafür einsetzt, dass nach einem allfälligen Ende der Wehrpflicht ein verpflichtender Sozialdienst weitere Billigarbeitskräfte in das System kommen.

Kollmann hat bereits in der Bundesheer-Reformkommission gegen einen verpflichtenden Sozialdienst für Untaugliche argumentiert – in der Zivildienst-Reformkommission hielten alle außer den Rotkreuz-Vertretern einen verpflichtenden Sozialdienst für verfassungswidrig. (cs/DER STANDARD, Printausgabe, 11.11.2004)

Share if you care.