Burger statt Bambis im Ballsaal in der Annagasse

14. November 2004, 20:47
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Weil der Tanztempel die Antithese zu Zeitgeist und Mode war, dürfte das, wofür "Fast Food" steht, dem einstigen Betreiber widerstreben

Dass sich Herr Fischer das gewünscht hat, darf bezweifelt werden. Schließlich war die "Tenne" Harald Fischers Lebensinhalt - und gerade weil der Tanztempel in der Annagasse die Antithese zu Zeitgeist und Mode war, dürfte all das, wofür "Fast Food" steht, dem einstigen Betreiber des 1894 gegründeten Etablissements widerstreben.

Doch nun ist es fix: In den Räumen, in denen die Bambis, Udo Jürgens und Gus Backus - anscheinend - nie Staub ansetzten, zieht eine Burger-King-Filiale. Die Eröffnung des Laberloutlets ist für den 25. November geplant - und während beim Abschiedsfest der Tenne im April die Bambis ein letztes Mal "Melancholie" schmalzten, ist für die Eröffnung das Gegenteil angesagt: Popsternchen Tamee Harrison wird knallbunte Liedchen trällern. Ihre Haltbarkeit dürfte eher in Burger- als in Evergreennähe liegen.

Die "Tenne" schloss im April

Das 1894 als prunkvoller Ballsaal nach Pariser Vorbild errichtete "Tabarin" war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert Ort glanzvoller Feste, In den 60er-Jahren wurde die "Tenne" Treffpunkt der Wiener "Haute Volee". Damals wurde auch jene hässliche (nun wieder entfernet) Betonzwischendecke eingezogen, die die prachtvollen Fin-de-Siecle-Stuckverzierungen an der Decke verbarg.

Die Tenne blieb bis zur Schließung der Evergreen-&-Superhit-Linie treu. Sie schloss im April nachdem die Miete explosionsartig angehoben worden war. (Thomas Rottenberg/DER STANDARD; Printausgabe, 3.11.2004)

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