Vom Unheil, wenn Frauen führen

7. Februar 2005, 17:48
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Und da soll man noch für Verhandlungen über einen EU-Beitritt der Türkei sein? "Mord auf der Donauinsel: Blutrache wegen versprochener Ehe" ...

Und da soll man noch für Verhandlungen über einen EU-Beitritt der Türkei sein? Mord auf der Donauinsel: Blutrache wegen versprochener Ehe lautete der Aufmacher in der "Kronen Zeitung" vom Dienstag, der offenbar vor den Gefahren warnen sollte, die demnächst vom Bosporus auf die Insel der Seligen überschwappen könnten. Josef Cap dürfte es mit Genugtuung gelesen haben. Im Blattinneren war die Botschaft mit der kleinen Rückversicherung eines Fragezeichens versehen - Grausame Blutrache als Mordmotiv? -, die aber wiederum durch die einwandfreie Feststellung des Tatmotivs aufgehoben wurde: Getöteter türkischer Familienvater hatte 11-jährige Tochter jemandem versprochen - Mädchen verliebte sich in einen anderen.

So etwas soll in den besten türkischen Familien vorkommen, und dann erst in den weniger guten! Ermittlungen in dem verwirrenden Geflecht aus türkischer Tradition und Familie führten bald zu einem ersten möglichen Motiv, hinter dem die harten Fakten zu erkennen die "Krone" - bei ihrer Routine in Ausländerfragen - keine Mühe hatte: Der 76-jährige Seyit A., Vater von 10 Kindern, hatte seine jüngste Tochter im Alter von 11 Jahren einem Mann in der Türkei versprochen - doch das Mädchen hat sich in jemand anderen verliebt. Für die Familie des Verschmähten eine Schande . . .

Und die "Krone" weiß, warum. Ein Platzen der Hochzeit wäre aufgrund des jahrhundertealten Brauchtums für die Familie des Verschmähten eine Verletzung der Ehre. Diese kann nach dem grausamen "Recht" nur mit Blut reingewaschen werden! Wie in vielen bekannt gewordenen Fällen üblich - die "Krone" sieht alles! -, befiehlt ein Familiengericht dann den Tod des vermeintlich Schuldigen. In diesem Fall das in Österreich lebende 76-jährige Familienoberhaupt Seyit A. . . .

Was die "Krone" leider übersehen hatte, wurde am nächsten Tag sichtbar. Nix verletzte Ehre, die nach dem grausamen "Recht" wie in vielen bekannt gewordenen Fällen üblich nur mit Blut reingewaschen werden kann. Seyit A.s Frau und Tochter hatten lediglich spekuliert, dass ihnen "Kronen Zeitung" und Polizei diese Schnurre abkaufen würden. Aber nur auf das Kleinformat war Verlass. Die Polizei fand rasch heraus, dass die Damen den Freund der Tochter überredet hatten, den alten Haustyrannen aus dem Weg zu räumen, was kaum jahrhundertealtem Brauchtum in der Türkei entspricht, hingegen auch schon in den besten österreichischen Familien vorgekommen ist. Und dann erst in den weniger guten.

In dem verwirrenden Geflecht von Sensationshascherei und Vorurteilen erschien der Aufmacher Blutrache wegen versprochener Ehe eben so gut für das Geschäft, dass es nach dem grausamen "Recht" des Boulevards eine Schande gewesen wäre, ihn zu verschmähen. Den Unterschied zwischen Zeitung und "Kronen Zeitung" hat der "Kurier" dargetan, der am selben Tag nur von offenen Fragen schrieb und vorsichtig distanziert mitteilte, was die Frauen behaupteten: Der Mann galt als fundamentalistischer Muslim und soll seine Tochter im Kindesalter einem Landsmann als Frau versprochen haben. Im "Kurier" fand sich die Story auch nicht auf Seite 1.

Auf Seite 1 hatten in der vorigen Woche alle Zeitungen die neue Außenministerin, von allen Seiten und Parteien wurden ihr Rosen und Vorschusslorbeeren gestreut. Nur von einer Seite nicht, und das war eine professionelle. Allwöchentlich sieht in "Zur Zeit" ein Botschafter Johann Josef Dengler mit dem Aufgang eines neuen Matriarchats das Abendland untergehen, und die Ernennung Ursula Plassniks muss diesen Untergang beschleunigen.

Unter dem Titel Das Endzeitalter und die Sekretärin klärt Dengler uns auf: Die Macht der Chefsekretärin ist eine Wegmarke unseres auslaufenden Abendlandes. Die westliche Gesellschaft hat sich in ihrer vorletzten Generation in ihren Organisationsformen in atemberaubendem Tempo hin zum Sekretärinnenstaat entwickelt. Auch Katholische Bischöfe leiten ihre Kirche immer öfter durch Pastoralassistentinnen. Vermutlich zur Hintanhaltung von Bubendummheiten.

Seit der bürgerlichen Revolution der 68er mit ihrer Abschaffung von (natürlich meist männlicher) Autorität - auch verschlafen! - wächst nun schon die übernächste Generation heran, der man die Anarchie bereits von Kind an beigebracht hat. Trotz dieser erfreulichen Aussicht klagt Dengler: Wie es jetzt aussieht, werden die Führungsstellen weiterhin überwiegend von Männern besetzt werden. Immer mehr Frauen werden allerdings in die zweite Führungsklasse aufsteigen.

Schlimm genug. Das Unheil ist, daß Frauen selber glauben, führen zu müssen, damit sie frei sein können. . . Als freie kinder- und gattenlose Gendermenschen werden sie den Mann vielleicht offener leiten; aber mit ihm untergehen. Im Falle der Sekretärin Plassnik kann zwar der Bundeskanzler sich sicher sein, daß seine neue Außenministerin genau so fleißig und selbstlos arbeiten wird wie ihre Vorgängerin, aber: Macht doch aus Männern Herren und aus Frauen Damen. Aber nicht aus Sekretärinnen Chefs. Zu spät. Tschüss Abendland! (DER STANDARD; Printausgabe, 30./31.10./1.11.2004)

Von Günter Traxler
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