Kopf des Tages - Agnes Husslein: Umstrittene Chefin einer "Schachtel"

    17. März 2006, 14:48
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    Sie ist als Museumsdirektorin in Salzburg Kritik gewohnt

    Hell strahlt die Fassade des neuen Museums der Moderne vom Mönchsberg über die Salzburger Altstadt - ein weiteres Wahrzeichen neben der Festung Hohensalzburg. Dem Volk blieb die Symbolik wohl verborgen: "Die Schachtel" nennen die Salzburger das Bauwerk abschätzig.

    Die Direktorin des Museums, Agnes Husslein, dürfte das wenig berühren, denn eines hat die studierte Kunsthistorikerin seit ihrem Amtsantritt 2001 in Salzburg wiederholt bewiesen: Kritik prallt an ihr ab. Die Frau habe Steherqualitäten, räumen selbst Gegner ein. Deren gibt es genug.

    Schon ihre Bestellung als Chefin des Rupertinums und damit auch als Chefin des Museums am Berg war umstritten: Husslein wurde ein Naheverhältnis zur FPÖ nachgesagt, ihre Kür somit als indirektes Ergebnis der schwarz-blauen Wende gesehen; dies, obwohl neben der ÖVP auch der rote Kulturlandesrat Othmar Raus die Kür Hussleins aktiv unterstützte.

    Den Anlass, die 50-Jährige ins blaue Eck zu stellen, bot ein Abend im Wahlkampf 1999, bei dem FP-Kandidat Thomas Prinzhorn Ehrengast von Agnes und ihrem Mann, dem Gynäkologieprofessor Peter Husslein, war. Bald darauf verlor sie ihren Job als Geschäftsführerin des Auktionshauses Sotheby's in Wien. Aber auch in Salzburg wurde es zunächst nicht ruhiger um die "Seitenblicke-Lady", die mindestens so oft in den Klatschrubriken - etwa gemeinsam mit Freundinnen wie Francesca von Habsburg - vorgekommen ist wie auf seriösen Kulturseiten.

    Rupertinums-Mitarbeiter verließen angesichts ihres Führungsstils in Scharen das Haus. Einmal mussten die Angestellten sogar ausrücken, um Hussleins entlaufenes Hündchen wieder einzufangen. Es gibt aber auch weniger skurrile Aktionen: Erst im Juni dieses Jahres hatte die Arbeiterkammer eine Kündigung angefochten. Der Vorwurf: Husslein habe eine Mitarbeiterin abserviert, da diese einen Betriebsrat gründen wollte.

    Wird Husslein zu solchen Konflikten befragt, antwortet sie cool. Sie habe eben Erfolg, meint die in ein altböhmisches Adelsgeschlecht geborene Nichte des Malers Herbert Boeckl. "Erfolg" heißt nicht zuletzt enorme mediale Wirksamkeit. Der Skandal um den "Arc de Triomphe" - eine von der Künstlergruppe Gelatin vor dem Rupertinum aufgestellte Männerfigur, die sich selbst in den Mund pinkelte - erwies sich im Festspielsommer 2003 als der Quotenhit.

    Mit Erfolg sind auch steigende Besucherzahlen im Rupertinum gemeint, und dafür hat Husslein auch die ihr vertraglich zustehende Extragage kassiert. Einwände, wonach die Steigerungen schlicht auf mehr Gratistickets zurückzuführen seien, perlen an Agnes Husslein ab. Sie habe über die Prämien nicht einmal genau Bescheid gewusst, versichert sie. (DER STANDARD, Printausgabe vom 23./24.10.2004)

    Von
    Thomas Neuhold
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