Edlinger: "Kein reicher Onkel nötig"

29. Oktober 2004, 12:37
68 Postings

Rapid-Präsident wurde bestätigt - So schön die Zuschauerzahlen sind, finanziell sieht es nicht gut aus: Schulden sind da, Sponsoren nicht

Wien - Der alte und neue Vereinspräsident von Österreichs Fußball-Rekordmeister SK Rapid heißt Rudolf Edlinger. Der 64-Jährige wurde am Dienstagabend in der Wiener Stadthalle von den Mitgliedern in seinem Amt bestätigt, für den Ex-Finanzminister ist es der Beginn seiner zweiten Funktionsperiode als Klubchef. "Rapid braucht keinen reichen Onkel aus Amerika oder Kanada. Rapid ist ein finanziell unabhängiger Verein, der seinen Mitgliedern und Fans gehört - und das wird auch so bleiben", meinte Edlinger bei seiner Wiederantrittsrede.

Das Ballyhoo vor dem großen Derby am Sonntag im ausverkauften Hanappi-Stadion wurde bei der Ordentlichen Hauptversammlung der Grün-Weißen quasi eröffnet. So wies der Rapid-Präsident einmal mehr auf "das Nahverhältnis des Bundesliga-Präsidenten zu einem anderen Wiener Verein" hin und kommentierte auch den "zweimaligen Vorstandswechsel in der Bundesliga, über den ich allerdings nicht gerade unglücklich bin."

Die Kehrseite: Ein Haufen Schulden

Die Mannschaft der Hütteldorfer erhielt ebenso wie die Ex-Stars Alfred Körner (erhielt die Ehrenmitgliedschaft auf Lebenszeit), Antonin Panenka, Michael Konsel oder Christian Stumpf "Standing Ovations". Allerdings ist längst noch nicht alles Gold was zu glänzen scheint in Hütteldorf: Der abgehende Finanzreferent Hermann Scheibner musste eingestehen, dass der SK Rapid mit 30. Juni 2004 noch immer einen Ausstand von rund 1,6 Millionen Euro zu Bilanz stehen hatte.

Der Umsatz wurde allerdings von 8,4 Millionen Euro (Saison 2001/02), auf 9,8 (2002/03) und zuletzt 10,6 (2003/04) gesteigert und auch das "negative Eigenkapital" stark abgebaut. Die Schulden hatten 2002 sogar einen Höchststand von 5,1 Millionen Euro.

Das ehemalige Präsidium unter den geschäftsführenden Vizepräsidenten Peter Weber und Ex-Finanzreferent Peter Strecha hatte sich dafür im Oktober 2001 noch feiern lassen. "Wir haben im Gegensatz zu anderen Vereinen der Bundesliga keine Schulden bei Krankenkasse, Finanzamt, Behörden oder Spielern. Diese Tatsache biete ich sie nicht zu vergessen, da wir oft für unsere Vereins-Politik kritisiert wurden", lautete vor drei Jahren der nachträglich betrachtet wie ein Hohn klingende Finanzbericht.

Kaum Sponsor-Interesse

Immer noch fehlt der schon seit Jahren gesuchte starke Wirtschafts-Partner. Seit dem Abgang von Hauptsponsor Bank Austria leuchtet mit Wien Energie zwar ein neuer Name im grellen Orange von den Dressen, doch von internationalen Sponsor-Summen ist man weiter entfernt denn je. Als Vergleich: Arsenal schloss unlängst den größten Sponsor-Deal in der englischen Fußball-Geschichte ab. Die Dubai-Airline "Emirates" bezahlt 100 Millionen Pfund (rund 144 Millionen Euro) für die Namensrechte am neuen Stadion und den Namenszug auf den Trikots der Gunners.

Positiv: Die Zuschauerzahlen

Obwohl bei Rapid die Einnahmen durch "Wettspiele" maximal ein Drittel des Budgets ausmachen, waren die positivsten Zahlen des Abends von der Zuschauer- und Fan-Abteilung. Mit fast 13.000 Besuchern wird der beste Schnitt seit den 60er-Jahren erreicht und fast 6.000 Abos bedeuten neuen Rekord: "St. Hanappi" wurde zuletzt im UEFA-Cup gegen Sporting und am Sonntag im 270. Derby gegen den Erzrivalen zu klein.(APA)

  • Edlingers Wiederwahl war nur Formsache.

    Edlingers Wiederwahl war nur Formsache.

Share if you care.