"Das Geld lieber gleich im Bildungsministerium lassen"

17. Februar 2005, 20:05
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Das Verteidigungs­ministerium sponsert eine Stiftungsprofessur für Europäische Sicherheitspolitik an der Uni Innsbruck - ein nicht unumstrittener Schritt

Am vergangenen Freitag stellte Verteidigungsminister Günther Platter den Professor für Europäische Sicherheitspolitik an der Universität Innsbruck, Dr. Alexander Siedschlag, vor. Es handelt sich dabei um eine Stiftungsprofessur, die vom Bundesministerium für Landesverteidigung finanziert wird. Es ist dies die erste Stiftungsprofessur für Sicherheitspolitik an einer österreichischen Universität. Platter: "Das Thema Sicherheitspolitik - insbesondere auf Europäischer Ebene - betrifft uns alle. Ich möchte durch diesen Universitäts-Schwerpunkt mehr Bewusstsein für dieses Thema in der Öffentlichkeit schaffen."

Innsbruck als "Ideenwerkstatt"

Ziel dieser neuen Forschungsinitiative ist die Durchführung von Lehr- und Forschungsaufgaben sowie die Erstellung von Publikationen und Dokumentationen auf dem Gebiet der europäischen Sicherheitspolitik an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck. Das Verteidigungsministerium leistet einen jährlichen Beitrag von EUR 160.000,- zur Abdeckung der Personalkosten und für die Organisation von Veranstaltungen der Stiftungsprofessur. Zusätzlich wird ein Budget für die Anschaffung von Literatur in der Höhe von EUR 11.000,- zur Verfügung gestellt. "Ich wünsche mir, dass Innsbruck zur Ideenwerkstatt und zu einem wissenschaftlichen Kompetenzzentrum wird, was Fragen der Sicherheits- und Verteidigungspolitik betrifft", erklärte Günther Platter. "Dafür ist die Universität Innsbruck prädestiniert. Das Institut für Politikwissenschaft hat einen international ausgezeichneten Ruf", so Platter.

Ziele für die Lehre

Am 29. September ist Prof. Alexander Siedschlag, vorher an der Humboldt-Universität in Berlin tätig, dem Ruf nach Innsbruck gefolgt. Mit 1. Oktober hat er seine Lehrverpflichtung aufgenommen. Er bietet in den ersten Lehrveranstaltungen vor allem Themen wie die Möglichkeiten und Grenzen internationaler Konfliktregelung und die sicherheitspolitische Integration Europas, aber auch nicht-militärische Aspekte von Friedenssicherung an.

SPÖ kritisiert

Kritik an der Stiftungsprofessur kommt von der Opposition. "Kaum haben am Donnerstag letzter Woche die österreichischen Rektoren einen dringenden Hilferuf an 'Ihr' Ministerium gerichtet, weil Forschung und Lehre ernsthaft gefährdet sind, kommt schon am Freitag Verteidigungsminister Günther Platter und stellt der Uni Innsbruck einen ganzen echten Professor zur Verfügung", so SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser gegenüber dem Pressedienst der SPÖ.

Lieber private Investoren

"An der wissenschaftlichen Reputation Prof. Siedschlags gibt es nichts zu zweifeln. Ich finde es aber merkwürdig, wenn das Verteidigungsbudget für 2005 stärker erhöht wird als das Wissenschaftsbudget und dann aus Mitteln des Verteidigungsressorts Personal der Universität bezahlt wird. Als mein früherer Kollege Prof. Lukesch und ich als Wissenschaftssprecher die 'Stiftungsprofessoren' verhandelt haben, hatten wir eher private Geldgeber im Auge, denen eine weitgehend uneigennützige Unterstützung der Universität ein Anliegen ist und nicht das Geld anderer Ministerien. Da soll man das Geld doch lieber gleich im Bildungsministerium lassen und dort in eine Gesamt-Personalplanung einbeziehen", kritisiert der SPÖ Bildungssprecher.

Kampfflieger statt Bildung

Niederwieser verweist auch auf andere Fälle, die ebenfalls die ganze Absurdität der derzeitigen Regierungspolitik aufzeigen: Der Eurofighter Hersteller EADS stiftet Professuren in der Steiermark. An sich ein löbliches Unterfangen, wäre da nicht der schale Beigeschmack eines drastisch überbewerteten "Gegengeschäftes" für den Eurofighter-Kauf. "Während für die Kampfflieger das Geld da ist, fehlt es in der Bildungspolitik. Die Fachhochschulen und Unis bekommen dann als kleines Almosen ein paar Lehrveranstaltungen geschenkt und müssen sich auch noch artig bedanken. Ich finde das entwürdigend", so der Bildungssprecher.

"Neutralität ausreden"

Bei der Stiftungsprofessur für Europäische Sicherheitspolitik freilich sieht Niederwieser durchaus auch eine politische Absicht: "Die Auswahl der Person zeigt, wohin Studierende und Öffentlichkeit geführt werden sollen. Siedschlag ist Experte aber nicht in Fragen der Sicherheitspolitik eines neutralen Staates wie Österreich. Er soll wohl dazu beitragen, den Österreichern die Neutralität auszureden." (apa)

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    Minister Günther Platter stellt Dr. Alexander Siedschlag als Professor für Europäische Sicherheitspolitik an der Universität Innsbruck vor

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