"Wenn das kommt, dann ist die Fries-Gruppe weg"

20. Oktober 2004, 11:56
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Böhler-Uddeholm könnte demnächst ohne Kernaktionär dastehen - Die Fries-Gruppe will aussteigen, sollte sie mit ihren knapp 26 Prozent das Stimmrecht verlieren

Wien – Geht es hart auf hart, steht der Edelstahlkonzern Böhler-Uddeholm (BU) demnächst ohne Kernaktionär da. Dann nämlich, wenn die Übernahmekommission der Wiener Börse zu dem Schluss kommt, dass bei BU durch das Ausscheiden der ÖIAG ein Kontrollwechsel stattgefunden habe und den größten Aktionär, die Fries-Gruppe, dazu vergattert, ein Pflichtangebot an alle Aktionäre zu legen.

"Wenn das kommt, dann verkaufen die ihre 25,65 Prozent und sind weg", sagt ein Insider zum Standard. Rechtsanwältin Christa Fries will dieses Ausstiegsszenario für ihre Mandantschaft nicht bestätigen. "Ich kann meine Hand aber nicht ins Feuer legen dafür, dass die Gesellschafter der BU Industrieholding sagen, es reicht uns, wir steigen aus!", sagte Fries am Mittwoch zum Standard.

Fries schließt Pflichtangebot aus

Tags zuvor hatte Rudolf Fries für die BU Industrieholding ausgeschlossen, ein Pflichtangebot zu legen. Bei einem Kurs von 77 Euro wäre ein solches auch deutlich teurer als bei der Aufstockung auf 25,65 Prozent im Jahr 2002, wo eine Aktie 48 Euro kostete.

Die Kommission hat im Prinzip zwei Möglichkeiten: Sie erteilt eine Ausnahmegenehmigung oder stellt die Stimmrechte der Fries-Gruppe ruhend. Diese wäre damit zwar Vierteleigner, könnte ihren Einfluss in HV und Aufsichtsrat aber nicht oder nur eingeschränkt ausüben.

Kontrollwechsel

Grund des seit Monaten schwelenden Streits: Die Kommission ist der Ansicht, mit dem ÖIAG-Ausstieg habe zwar kein aktiver, wohl aber ein passiver Kontrollwechsel stattgefunden. Da viele BU- Aktionäre nie zur HV kommen – im Mai waren es nur 3,86 von elf Mio. stimmberechtigten Aktien –, hatte die Fries-Gruppe mit ihren 25,65 Prozent eine komfortable Mehrheit.

Anlegerschützer Wilhelm Rasinger, selbst im Böhler- Aufsichtsrat, will die Causa nicht kommentieren. Er meint aber, das Übernahmegesetz sollte novelliert werden: "Es ist zu sehr auf Kontrollwechsel abgestellt." BU sei aber kein Einzelfall, es könnte auch Voest, VA Tech, Porr oder Telekom Austria treffen.

Wie der Streit ausgeht, ist offen. Dass das Feststellungsverfahren eine Retourkutsche für die Aufforderung sei, WU- Professor Peter Doralt, möge sein Böhler-Aufsichtsratsmandat zurücklegen, weil dieses mit seiner Tätigkeit in der Übernahmekommission unvereinbar sei, wird in Kommissionskreisen bestritten. Doralt habe den Vorsitz im 1. Senat an Josef Aicher übergeben, es bestehe also keine Interessenkollision, heißt es. Doralt selbst war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. (Luise Ungerboeck, Der Standard, Printausgabe, 14.10.2004)

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    foto: böhler-uddeholm
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