Die Heimat in der Fremde

14. Oktober 2004, 17:17
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Heddy Honigmanns Dokumentation "Dame La Mano" zeigt Exilkubaner in New York

Nachdem der Kuba-Boom, ausgelöst von Ry Cooders "Buena Vista Social Club"-Reihe, auch Dokumentationen wie Wim Wenders' gleichnamige oder Lágrimas Negras von Sonia Herman Dolz hervorgebracht hat, widmet sich die in Chile geborene und in den Niederlanden lebende Dokumentarfilmerin Heddy Honigmann kubanischen Exilanten in New York und New Jersey.

In Dame La Mano zeigt sie, wie sich Exilkubaner über die Musik und den Tanz fern ihrer Heimat ein Stück derselben zurückholen. Dame La Mano – zu Deutsch: Gib mir deine Hand –, ist gewissermaßen eine Aufforderung an die Zuseher, sich führen zu lassen.

Von den Tänzern zum Son und zur Rumba, von den Erzählern in ihre Vita und ihr Schicksal. Zwar hat der 2003 entstandene Film durchaus seine Längen. Etwa wenn Tanzlehrer sich nicht zu gering selbst darstellen dürfen, ohne dass außer Selbstvergessenheit und Körperbeherrschung andere Information vermittelt würde.

Perforiert werden derlei Sequenzen jedoch immer wieder von liebevollen Anekdoten, die die Protagonisten erzählen, oder auch von Unbeteiligten, die Honigmanns Kamera ohne ihr Wissen zuarbeiten. Etwa wenn auf der Straße spazierende Paare durch ihre Körperhaltung von Stimmen aus dem Off analysiert werden: "Steife Hüften, oje! Dazu schwere Beine und keine adäquate Armbewegung zum gezeigten Schritt." Das ist so böse wie erfrischend.

Honigmann zeigt, wie sehr die Musik das Leben dieser Menschen dominiert. Sie bietet Halt in der Fremde, sie ist ein Hort emotionaler Verknüpfungen mit einem Land, das manche der Gezeigten nur von den Erzählungen ihrer Eltern her kennen. Abseits bekannter Alte-Männer- und der Son-Folkore erscheint Dame La Mano als der logische nächste Schritt angesichts der Aufmerksamkeit, die kubanische Musik und Kultur seit einigen Jahren erfahren. Er zeigt, dass Heimat, unter der Voraussetzung seine Kultur ausleben zu können, auch in der Fremde möglich ist. Wie sagt ein Taxifahrer über den karibischen Meltingpot der New Yorker Bronx: "It's dynamite." Stimmt.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.10.2004)

Von
Karl Fluch

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    foto: viennale
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