HIV-Infektionen steigen, Erkrankungen und Todesfälle sinken

19. Oktober 2004, 20:09
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"HIV - Positive sterben heute nicht mehr an, sondern mit der Krankheit", beschreibt ein Spezialist den Wandel - mit Grafik

Wien - Die HIV-Infektionsrate steigt - auch in Österreich. Betroffen sind heute mehr denn je heterosexuelle Paare und Menschen unter dreißig Jahren. Allerdings haben sich nicht nur die gefährdeten Personenkreise und das Risikoverhalten verändert, sondern auch die Möglichkeiten der Behandlung. Im Vorfeld des 15. Österreichischen Aids-Kongresses, der am Freitag und Samstag in Wien stattfinden wird, warnte die Aids-Gesellschaft am Dienstag davor, das Infektionsrisiko in Sachen HIV zu vernachlässigen und stellte neue Behandlungstrends vor.

Ein bis zwei Österreicher haben sich im vergangenen Jahr pro Tag mit dem HI-Virus neuinfiziert, rechnete Brigitte Schmied, Präsidentin der Österreichischen Aids-Gesellschaft, im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien vor. Ein Grund für diese alarmierend hohe Infektionsrate liege in der Sorglosigkeit bei sexuellen Kontakten. "Nur knapp jedes fünfte Paar verwendet beim Geschlechtsverkehr ein Kondom - den nach wie vor einzigen Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten", so Schmied.

Aufklärung

Aufklärung und Information müssen wieder präsenter werden, vor allem auch bei jenen Menschen, die Deutsch nur mangelhaft beherrschen, forderte daher die Präsidentin der Aids-Gesellschaft. Wichtig sei ihr weiters die Verbreitung von Wissen über die so genannte Post-Expositions-Prophylaxe (PEP). Die möglichst rasche Anwendung von PEP nach einem riskanten Kontakt mit dem HI-Virus würde das Ansteckungsrisiko um rund 80 Prozent senken, so Schmied.

Die Behandlungsmöglichkeiten bei einer Infektion seien heutzutage gut. "HIV-Positive sterben heute nicht mehr an, sondern mit der Krankheit", meinte Dr. Hans Jäger, der in München eine Praxis mit HIV-Schwerpunkt führt. Kriterien einer optimalen HIV-Therapie seien die erfolgreiche Unterdrückung des Virus über lange Zeit, eine gute Verträglichkeit des Wirkstoffes oder der Wirkstoffkombination, eine verbesserte Lebensqualität, die Erleichterung der Therapietreue sowie das Verhindern von Resistenzen, erklärte Armin Rieger von der Abteilung für Immundermatologie am AKH Wien. Derzeit stünden zwanzig Präparate zur Verfügung, wobei dem Standard entsprechend HIV-positive Patienten mit einer Kombination aus mindestens drei Medikamenten behandelt werden.

Monotherapie

Ein interessanter Therapieansatz sei laut Jäger die so genannte Monotherapie, also eine Behandlung mit nur einem Wirkstoff. Das Tablettenmanagement werde dadurch erleichtert, Nebenwirkungen gesenkt und Therapiekosten reduziert. Das bisher einzige Kombinationspräparat, das die Substanzen Lopinavir und Ritonavir enthält, ist in Österreich unter dem Handelsnamen Kaletra erhältlich.

Jägers Erfahrungen mit diesem Präparat waren durchaus positiv. Vor allem bei nicht vorbehandelten Patienten lag die Viruslast nach sechs Monaten Monotherapie unter der Nachweisgrenze. Diese ersten Daten müssten allerdings in weiteren Studien näher untersucht werden. Von einem Ende des Dogmas "Kombinationstherapie" zu sprechen sei daher verfrüht. (APA)

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