Flextronics-Handy für Herzpatienten

18. Oktober 2004, 10:43
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Nach Einführung in Deutschland kommt der Dienst ab Herbst nach Österreich

In den nächsten Monaten soll auch in Österreich ein Mobiltelefon auf den Markt kommen, das sich vor allem an Personen mit Herzproblemen richtet.

Das von Flextronics in Althofen entwickelte und gefertigte Handy namens Vitaphone 2300 hat, neben den normalen Telefoniefunktionen, auf der Rückseite Kupferelektroden integriert, die, wenn man das Handy auf die Brust legt, innerhalb von 40 Sekunden ein EKG (Elektrokardiogramm) aufnehmen und diese Information an ein medizinisches Servicecenter in Deutschland schickt. Während der Aufzeichnung schalten sich alle Handyfunktionalitäten automatisch ab, sodass auch Personen mit Herzschrittmachern das Handy auflegen können.

Positionsdaten

Via SMS werden auch die auf 15 Meter genauen Positionsdaten des Handybesitzers auf Basis des Satelliten gestützten Dienstes GPS (Global Positioning System) versandt, sodass der Patient von einem Notfalldienst aufgesucht werden kann, sollte dies nötig sein.

"Seit Einführung des Dienstes in Deutschland wurden dadurch schon einige Leben gerettet", sagt der Österreich-Geschäftsführer von Vitaphone, Ludwig Seidl. Einige tausend Kunden hätten dort bisher den Dienst in Anspruch genommen. In Österreich führt er derzeit mit allen Mobilfunkbetreibern (Ausnahme "3") Gespräche, um das Handy ins Programm aufzunehmen und den Service - der weiterhin über das deutsche Medizinercenter abgewickelt wird - zu unterstützten. Mit zwei nicht näher genannten Betreibern gebe es bereits Verträge.

Leasing möglich

Das Vitaphone 2300 kostet Euro 799; auch Leasing soll als Zahlungsmodus erlaubt werden. Je nach Anzahl der EKG-Kurznachrichten kostet das Vitaphone-Servicepaket 19 Euro im Monat (ein EKG inkludiert) bzw. 49 Euro mit fünf EKGs. Diese Kosten fallen zu den Telefongebühren an.

Entwickelt und gefertigt wird das Handy von Flextronics im Werk Althofen, Kärnten. Flextronics fertigt als OEM-Hersteller (Original Equipment Manufactoring) unterschiedlichste technische Geräte für Drittfirmen. Flextronics-Vicepresident Erich Dörflinger erwartet, dass die georderten Stückzahlen für das Gerät in den nächsten Monaten stark ansteigen werden. Nach dem Pilot in Deutschland habe man begonnen, den Dienst in der Schweiz einzuführen. In den USA sei man interessiert.

Alleine in Österreich ist die Zielgruppe für das Herztelefon ansehnlich: 15.000 Personen sterben jährlich an Herzinfarkt; 50.000 Operationen werden pro Jahr am Herzen vorgenommen. Allerdings, sagt Seidl, ziele man nicht nur auf Herzrisikopatienten und Ärzte ab, sondern man werde auch "reinen Phobikern" das Handy verkaufen.(Johanna Ruzicka/Der Standard, Printausgabe vom 9./10.10.2004)

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Vitaphone

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    foto: flextronics
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