"Zurufe, wenn sie g'scheit sind"

14. Oktober 2004, 13:23
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Der Altbischof hadert mit seinem Schicksal und spricht von einer Kampagne - ein STANDARD Gespräch mit Kurt Krenn

St. Pöltens Altbischof Kurt Krenn hadert mit seinem Schicksal und spricht von einer Kampagne "auch von den eigenen Mitbrüdern" gegen sich. Mit Krenn sprachen in St. Pölten Peter Mayr und Markus Rohrhofer.

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Standard: Herr Altbischof, wie geht es Ihnen?
Krenn: Da können Sie a priori immer schreiben, dass es mir gut geht.

STANDARD: Was werden Sie künftig machen?
Krenn: Das plant man nicht alleine. Was da sein wird, das weiß ich nicht. Ich möchte arbeiten und schreiben.

STANDARD: Ihre Memoiren?
Krenn: Nein, überhaupt nicht. Zu mir fällt mir nichts ein.

STANDARD: Sind Sie traurig, dass Sie die Diözese St. Pölten nicht mehr leiten?
Krenn: Ja, schon in einer gewissen Weise.

STANDARD: Die Bischofskonferenz hat am Donnerstag ein Hirtenwort veröffentlicht. Ein Wort des Dankes fehlt darin. Fehlt Ihnen das?
Krenn: Sehen Sie, ich habe es noch gar nicht gelesen. Daher weiß ich auch nicht, was mir fehlt.

STANDARD: Wurden Ihnen Gründe für den verlangten Rücktritt genannt?
Krenn: Nein, eben nicht.

STANDARD: Auch Ihr Nachfolger Klaus Küng hat nichts gesagt?
Krenn: Er weiß genauso wenig wie ich.

STANDARD: Was ist Ihrer Meinung nach passiert, dass Sie nach 13 Jahren an der Spitze in St. Pölten in Undank scheiden?
Krenn: Ich scheide gar nicht in Undank. Nach dem Titel, der mir zusteht, bin ich ein Emeritus, ein verdienter Bischof.

STANDARD: Ihnen wurde vorgeworfen, die Diözese schlecht geleitet zu haben.
Krenn: Da müsste man mit konkreten Fakten kommen.

STANDARD: Und die Vorfälle im Priesterseminar?
Krenn: Ich habe ja gleich, wie der Fall gemeldet wurde, die Sicherheitsdirektion eingeschaltet. Ich geniere mich schon, dass da jemand dabei war, der sich Kinderpornos angeschaut hat. So etwas darf nicht passieren. Aber ich kann nicht jeden Tag wie ein Sheriff ins Seminar rübergehen.

STANDARD: Es gab ja auch die "Kuss-Fotos".
Krenn: Da gibt es Fotos von einer Weihnachtsfeier, eine Blödheit. Wenn Sie alles so todernst nehmen wie das, dann müssen Sie ganz Österreich zusperren.

STANDARD: Hat die Kirche durch die Vorfälle Schaden erlitten?
Krenn: Das ist doch nur das Gerede der Medien.

STANDARD: Sie glauben, es war eine Kampagne?
Krenn: Natürlich.

STANDARD: Und wer steckt Ihrer Meinung nach dahinter?
Krenn: Das weiß ich nicht. Ich habe da so meine Vermutungen. Es war eine Kampagne auch von den eigenen Mitbrüdern. Das ist auch schon alles.

STANDARD: Was würden Sie als Erfolg Ihrer Amtszeit werten?
Krenn: Dass die Menschen mich 13 Jahre ertragen haben.

STANDARD: Werden Sie sich von außen weiter als Zurufer in der Diözese einmischen?
Krenn: Warum keine Zurufe, wenn sie g'scheit sind?

STANDARD: Aber mit Ihrem Nachfolger Klaus Küng sind Sie zufrieden?
Krenn: Ja. Die Kirche ist in guten Händen. (Peter Mayr und Markus Rohrhofer, DER STANDARD Printausgabe 9/10.10.2004)

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    St. Pöltens Altbischof Kurt Krenn hadert mit seinem Schicksal

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