Bemannter russischer Mondflug in zwanzig Jahren

13. Oktober 2004, 19:28
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Moskau plant Astronauten-Ausbildung für Langzeiteinsätze

Moskau - Russland könnte nach Einschätzung eines Fachmannes in weniger als zwanzig Jahren eine bemannte Raumfähre zum Mond schicken. "Bei einer geeigneten Finanzierung könnte Russland einen bemannten Forschungsflug zum Mond etwa in den Jahren 2021 bis 2023 umsetzen", sagte der Präsident der russischen Raumfahrtakademie Ziolkowski, Wladimir Senkewitsch, am Montag in Moskau. Zugleich plane die russische Regierung, Astronauten für Langzeiteinsätzen von bis zu 500 Tagen auszubilden.

"Wir wählen derzeit sechs Freiwillige aus, die 500 Tage in einem geschlossenen Raum verbringen sollen", sagte der ehemalige russische Astronaut Waleri Poliakow, der an einem medizinisch-biologischen Institut arbeitet. Das Experiment solle Ende kommenden Jahres oder Anfang 2006 beginnen, erklärte Poliakow, der mit 438 Tagen im All in den Jahren 1994 bis 1995 den Langzeitrekord eines Raumfluges hält. "Man kann unbegrenzt im Weltall bleiben, aber man muss wissen, für welches Ziel."

Knappes Budget

Die russischen Fachleute betonten, die Finanzierungsprobleme hätten Russland seiner Position als große Raumfahrtnation beraubt. "Im Laufe der letzten zehn Jahre wurde das Budget für bemannte Raumflüge um den Faktor 15 oder 20 gekürzt", sagte Senkewitsch. "Selbst Indien gibt für die Raumfahrt mehr aus als wir, ganz zu schweigen von Japan, China, Frankreich, Deutschland und anderen europäischen Staaten."

Ein Mitglied der russischen Akademie der Wissenschaften, Michail Marow, sagte, dass viele Raumfahrtprojekte aus Geldmangel verschoben oder gestrichen worden seien - insbesondere solche zur Aussetzung von Satelliten, die Bodenproben von Mond, Mars und Venus und von Asteoriden nehmen sollten. Nach Angaben von Experten befinden sich derzeit nur 100 russische Satelliten im Orbit; die Vereinigten Staaten haben demnach viermal so viele im All, allein 120 für das Militär. (APA)

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