"Ich bin immer noch Bischof"

9. Oktober 2004, 12:10
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Krenn: "Kann jeden Tag einen absetzen" - Verteidigt Absetzung von Generalvikar Fasching ohne Küngs Einwilligung im STANDARD-Gespräch

Nur indirekt vor dem Fernseher nahm der scheidende St. Pöltener Bischof Kurt Krenn am Sonntag an der Seligsprechung von Österreichs letzten Kaiser Karl I. teil: "Natürlich hätte ich auch in Rom dabei sein können, aber dass hätte in der derzeitigen Situation nicht gepasst" sagt er im Gespräch mit dem Standard.

Dabei scheut sich Krenn auch in den letzten Tagen seiner Amtszeit nicht, für Wirbel in der römisch-katholischen Kirche zu sorgen. Der jüngste Coup des streitbaren Bischofs war die Absetzung von Generalvikar Weihbischof Heinrich Fasching. Krenn zum Standard: "Ich bin derzeit immer noch der amtierende Bischof der Diözese St. Pölten, auch wenn ich meinen Rücktritt bereits eingereicht habe. Und als solcher kann ich, wenn ich will, jeden Tag einen Generalvikar absetzen und mir einen neuen holen".

Keine Retourkutsche

Die Absetzung als eine persönliche Retourkutsche für die Kritik der letzten Monate an seiner Person zu sehen, bestreitet er im Standard-Gespräch aber vehement: "Das war sicher kein Akt von Boshaftigkeit, außerdem habe ich ein sehr gutes Verhältnis zu Weihbischof Fasching und es hat in unserer gemeinsamen Arbeit immer einen Weg zu einander geben".

Küng bezeichnet Absetzung als "nicht rechtskräftig"

Es sei natürlich richtig, dass Krenn noch im Amt ist, er habe aber trotzdem alle Personalentscheidungen mit dem Visitator zu besprechen, erwidert Bernhard Augustin, Sprecher des Feldkircher Bischofs Klaus Küng. Visitator Küng hatte schon am Samstag das Vorgehen als "nicht rechtskräftig" bezeichnet. Die Bischofskongregation habe Krenn mitgeteilt, dass ohne die Zustimmung des Visitators "keine Ernennung und Versetzung von Klerikern vorgenommen werden darf".

Krenn: "Ich bin sicher im Recht"

Bischof Krenn hatte trotzdem seinen Generalvikar Fasching – ohne die Absegnung Küngs – am 30. September brieflich seine Abberufung mitgeteilt. Den Vorwurf der Rechtswidrigkeit lässt er nicht gelten: "Ich möchte die Aussagen von Bischof Küng zwar nicht näher kommentieren, aber ich bin sicher im Recht."

Der Streit um Fasching dürfte der letzte Akt in der Causa Krenn sein. Noch diese Woche wird mit der Verlautbarung des neuen St. Pöltener Bischofs gerechnet. Erwartet wird, dass er am Dienstag beim Ministerrat, dem der Vatikan den Nachfolger zur Kenntnis bringt, vorgestellt wird.

Schweigen zu Küng

Krenn gibt sich derweil geheimnisvoll: "Natürlich weiß ich mehr zu diesem Thema, werde aber sicher nichts sagen". Ob er Küng als aussichtsreichsten Kandidaten sieht: "Wir sind doch nicht in der Volksschule wo man Ja-Nein Fragen beantwortet. Man wird sehen, die Öffentlichkeit muss sich halt noch drei Tage gedulden". (DER STANDARD, Printausgabe, 4.10.2004)

von Peter Mayr und Markus Rohrhofer
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    Krenn: "Ich bin sicher im Recht" - Der Visitator Küng sieht das anders: Die Bischofskongregation habe Krenn mitgeteilt, dass ohne die Zustimmung des Visitators "keine Ernennung und Versetzung von Klerikern vorgenommen werden darf".

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