Die Bilderkettenknüpferin

24. Oktober 2004, 20:50
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Der Festivaltrailer und drei kurze, von Fotos inspirierte Filme der Französin Agnès Varda

Agnès Varda, immer noch unermüdliche Bildersammlerin, hat den diesjährigen Viennale-Trailer gestaltet. Außerdem zeigt das Festival drei kurze, von Fotos inspirierte Filme der Französin.


"Was Realität und Fiktion betrifft – da bin ich irgendwie zwischendrin." Der Satz fällt irgendwann im jüngsten Film von Agnès Varda. Die Frau, die sich so charakterisiert, ist die Sammlerin, Galeristin und Künstlerin Ydessa Hendeles. Eines ihrer Projekte hat Varda zum Anlass für Ydessa, les ours, et etc. genommen. Aber die Beschreibung – "zwischen Realität und Fiktion" – trifft auch auf Varda zu.

Für die Viennale hat die Bildersammlerin nun ein filmisches Gastmahl in Form des Festival-Trailers bereitet: Brot und Salz werden da dargeboten, eine assoziative Bilderkette wird ausgelegt, die, ausgehend von dokumentarischen Aufnahmen, eine kleine gedankliche Exkursion zu den wesentlichen Dingen unternimmt.

Ydessa Hendeles dagegen sammelt Fotografien von Menschen mit Teddybären. Für das Haus der Kunst in München hat sie daraus eine Installation gemacht. Tausende von (historischen) Aufnahmen, inszenierte Momentaufnahmen, die sich zu einem irritierenden, bedrückenden Panorama formieren.

Die Arbeit kommt der Regisseurin entgegen. Ihr Interesse gilt den Bildern und der Sammlerin gleichermaßen, geht über ein reines Dokumentieren stets hinaus und berührt die Imagination. Ydessa ... ist eine von drei Arbeiten, die die Regisseurin unter dem Motto CinéVardaPhoto zusammengestellt hat. Varda, die gelernte Fotografin, umschreibt damit von Fotos angeregte Filme: Ydessa ... ist der jüngste, Salut les Cubains (1963), dessen Basis im Zuge eines Kubaaufenthalts entstandene Fotos sind, der älteste.

Dazwischen liegt Ulysse (1982) – eine von Vardas schönsten kurzen Arbeiten, die zurückführt ins Jahr 1954 und eine Reihe von Personen, die Filmemacherin eingeschlossen, mit einem Foto und mit der Vergangenheit konfrontiert. Ulysse steht exemplarisch auch für Vardas assoziatives und dabei genaues Vorgehen – entlang der Bilder und Erzählungen, zwischen Realität und Fiktion.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.10.2004)

Von
Isabella Reicher

"CinéVardaPhoto":

21. 10., 16.00
Urania

27. 10., 21.30
Metro

  • Viennale'04-Trailer
    foto: viennale

    Viennale'04-Trailer

  • "Salut les Cubains"
    foto: viennale / varda

    "Salut les Cubains"

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