Kriegsverbrecher: USA und EU drohen Serbien

30. September 2004, 21:18
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Wenn Belgrad mit dem Tribunal nicht bedingungslos zusammenarbeite, würde man in Kürze ernsthafte Sanktionen in Erwägung ziehen

Immer heftiger wird der Druck der USA und der EU auf Belgrad, die wegen Kriegsverbrechen angeklagten serbischen Staatsbürger zu verhaften und dem UN-Tribunal in Den Haag auszuliefern. Man habe allmählich die Geduld für das Katz-und-Maus-Spiel mit Serbien verloren, verkündete Washington unlängst. Wenn die serbische Regierung mit dem Tribunal nicht bedingungslos zusammenarbeite, würde man in Kürze ernsthafte Sanktionen in Erwägung ziehen. Serbische Medien erwähnen den 1. Oktober als Termin, nach dem die USA die Politik gegenüber Serbien verschärfen würden.

In der Nacht zum Mittwoch erwies sich eine angebliche Fahndungsaktion serbischer Spezialeinheiten nach dem ehemaligen Kommandanten der bosnisch-serbischen Streitkräfte, General Ratko Mladic, in der Umgebung der serbischen Provinzstadt Valjevo abermals als eine Ente. Der serbische Militärexperte Miroslav Lazanski sprach von einem "Täuschungsmanöver": Einerseits sollten die Ermittler des UN-Tribunals auf die falsche Spur gebracht werden, andererseits soll der Eindruck erweckt werden, dass Belgrad irgendetwas unternimmt. Man gewinne den Eindruck, dass sich die politische Führung Serbiens des Ernstes der Situation nicht bewusst sei, sagte ein EU-Diplomat dem STANDARD. (DER STANDARD, Printausgabe, 30.9.2004)

Andrej Ivanji aus Belgrad
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