Otto Habsburg kritisiert "abgrundtiefe Ignoranz" der Presse

3. Oktober 2004, 15:40
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Sohn des letzten Kaisers: "Karl Habsburg hat sich um die Menschen gekümmert, er wollte Frieden erreichen"

Wien - "Karl von Habsburg hat sich um die Menschen gekümmert, er wollte Frieden erreichen", sagte sein Sohn, Otto Habsburg, am Dienstag über die Rolle des letzten österreichischen Monarchen im Ersten Weltkrieg. Es sei Pflicht der Politiker, den Gedanken des Friedens ins Zentrum ihrer Überlegungen zu stellen, wie Habsburg in Wien anlässlich der Vorstellung des neuen Buches "Kaiser Karl I. - Selig, die Frieden suchen" ausführte.

Habsburg verlor bei der Buchpräsentation kritische Worte gegenüber der österreichischen Presse. Während die Medien in Frankreich und Italien "objektiv" über die Seligsprechung seines Vaters am 3. Oktober in Rom berichteten, sei hier teilweise die "abgrundtiefe Ignoranz" der Presse zu spüren gewesen, wie er sagte. Alles Mögliche sei geschrieben worden, offensichtlich sei das den Journalisten von "Propagandisten" eingeflößt worden, fuhr er fort.

"Sehr wichtige Dinge"

Habsburg, bis 1999 EU-Abgeordneter der bayerischen CSU, hält das Jahr 2004 für ein entscheidendes, da einige "sehr wichtige Dinge" passiert seien, allem voran der Beitritt von zehn neuen Staaten in die Union. Die Diskussion, ob die EU Erweiterungen verkraften könne, hält er für "totalen Unsinn", da die Union bisher aus allen Erweiterungen Vorteile für alle Beteiligten habe ziehen können.

Habsburg verwies auch auf Tschechien und die Benes-Dekrete, die er für Unrecht hält. Dafür erhielt er spontanen Beifall von den Anwesenden bei der Buchvorstellung. Habsburg hat diese Meinung auch in der tschechischen Presse vertreten. Neben den erwarteten "Schimpfbriefen" älterer Tschechen sei aber vor allem von jungen Menschen viel Zustimmung gekommen. Laut Habsburg zeige das, wie sich die Mentalität dort ändere und so die Erinnerung an Karl I. erwecke, der alles für den Frieden tun wollte.

Viel neues Material

Eva Demmerle, Autorin des Werks und Pressesprecherin Habsburgs, äußerte sich ähnlich. "Alles was Karl wollte, nämlich ein friedliches Zusammenleben der Nationen, wird erst jetzt nach zwei Weltkriegen verwirklicht". Sie fuhr fort, dass Karl im Exil von Madeira noch kurz vor seinem Tod an einer Verfassung für ein großes Österreich, für eine Wirtschaftsföderation im Donauraum gearbeitet habe. Das Buch enthalte auch viel neues Material aus dem Familienarchiv der Habsburgs, und einige der abgedruckten Fotos seien noch nie vorher veröffentlicht worden.

Habsburg selbst war nicht erstaunt, als er die Nachricht erhielt, sein Vater solle selig gesprochen werden. Er hielt sich aber mit Kommentaren zurück, da er als Politiker nicht zu religiösen Fragen Stellung nehmen wollte. Erst durch die aufkommende Diskussion über Karl in Österreich habe sich das geändert. Habsburg wird mit seiner Familie am kommenden Sonntag an der Seligsprechung Karls I. in Rom teilnehmen. (APA)

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    Otto Habsburg findet, dass sein Vater Karl von der österreichischen Presse ungerecht behandelt wird.

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