RAU: Spuckfreiheit

26. September 2004, 09:29
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Orale flüssige Körpersubstanzen zusammen mit der Hundescheiße und dem Taubendreck - beinahe ein "sanitärer Überstand"

Der Große Vorsitzende Mao hat versucht, es den Chinesen abzugewöhnen - mit einer seiner Kampagnen, bei denen die Parteifunktionäre die Leute zusammentrieben und gemeinsam skandieren ließen: "Freies Ausspucken ist eine Angewohnheit der Lakaien des Kapitalismus und der revisionistisch-trotzkistisch-faschistischen Abweichler!" Oder so ähnlich.

Genutzt hat es nichts. Der Chinese räuspert und spuckt in allen Lebenslagen, auf den Straßen und in den Spucknapf, dass es die langnasigen fremden Teufel nur so schüttelt (umgekehrt ekelt es die Chinesen vor Leuten, die sich in ein Taschentuch schnäuzen und das dann in die Hose stecken). Inzwischen muss aber eine kulturelle Übertragung stattgefunden haben, denn auf den Gehsteigen von Wien sieht es so aus wie auf denen von Peking, Schanghai usw.

Der heimische Mensch (Mann) findet es völlig in Ordnung, sich seiner oralen flüssigen Körpersubstanzen zu entledigen, wo er geht und steht. Das macht, zusammen mit der Hundescheiße und dem Taubendreck, schon beinahe einen "sanitären Überstand" aus, jedenfalls aber ein Kapitel im entstehenden großen Sammelband "Der Verlust sozialen Verhaltens im Österreich des beginnenden 21. Jahrhunderts". (DER STANDARD, Printausgabe vom 23.9.2004)

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