Vorab bekannt geworden: Gemeinsame Chefs für Wiener Opernballetts

27. September 2004, 13:53
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Gyula Harangozó und Heinz-Dieter Sense

Wien - Die Ballettcompagnien der staatlichen Opernhäuser werden künftig der Bundestheaterholding unterstehen und eine gemeinsame Leitung haben: Die Direktoren Ioan Holender (Staatsoper) und Rudolf Berger (Volksoper) einigten sich auf Gyula Harangozó als künstlerischen und Heinz-Dieter Sense als administrativen Chef ab dem Herbst 2005. Das Duo sollte zwar erst am Montag vorgestellt werden; die APA brachte die Namen aber bereits jetzt in Erfahrung.

Harangozó, 1956 in Budapest geboren, ist seit 1995 Direktor des ungarischen Nationalballetts, das von seinem Vater gegründet worden war. Seine Mutter war dort eine gefeierte Solotänzerin. Harangozó erhielt seine Ausbildung in Budapest und beim Bolschoi-Ballett in Moskau. Er ist mit der Tänzerin Irina Lebedjewa verheiratet, die mit dem gemeinsamen Sohn in Wien lebt. Er gilt als eher konservativ und "nicht allzu erneuerungsfreudig". Von 1981 bis 1991 war er erster Solotänzer am Wiener Staatsopernballett.

Heinz-Dieter Sense, 1939 geboren, war von 1989 bis 1994 in der Verwaltung der Hamburgischen Staatsoper tätig. 1995 wechselte er an die Deutsche Oper Berlin. Dort war er bis 2001 Betriebsmanager, anschließend stellvertretender Intendant und ab August 2003, nach Udo Zimmermanns Ausscheiden, kommissarischer künstlerischer Leiter. Auf ihn folgte am 1. September Kirsten Harms als neue Intendantin.

"Die Frage ist an mich herangetragen worden, weil wir in Berlin etwas Ähnliches gemacht haben", so Sense gegenüber der APA. In Berlin war bekanntlich Staatsoperndirektor Ioan Holender Berater für die Opernstrukturreform.

"Bündelung der Kräfte"

In Wien wäre - jedenfalls von der Außenwahrnehmung her - das Ballett von der Oper zur Seite gerückt worden. Es gehe nun vor allem um die Vergrößerung der Zahl der Auftritte für das Ballett und eine "sinnvolle Bündelung der Kräfte". Dabei werde ihm seine Erfahrung mit den Opernstrukturen zu Hilfe kommen.

Die künstlerische Vielfalt der beiden Compagnien soll unangetastet bleiben, personell werde man "sicher nicht mit dem Rasenmäher drüberfahren", meint Heinz-Dieter Sense. Dass es zu einer Reduzierung der Tänzer kommen könne, will er jedoch nicht ausschließen. Eines sei aber sicher: "Wir sind gefordert." (trenk, APA / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.9.2004)

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