Tyler Hamilton bestreitet Blutdoping

26. September 2004, 18:15
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Zeitfahr-Olympiasieger vermutet nach zwei positiven Tests Mani­pulation - Blutspuren von anderer Person in Proben?

Paris - Dem Zeitfahr-Olympiasieger Tyler Hamilton aus den USA droht wegen einer offenbar bereits in Athen festgestellten verbotenen Blut-Transfusion die Aberkennung seiner Goldmedaille. Bei der Vuelta war der Radprofi, der die Rundfahrt nach Mitteilung seiner Schweizer Phonak-Mannschaft auf Grund von "Magenproblemen und einer verletzten Hand" aufgegeben hat, bei einer Blut-Kontrolle zum zweiten Mal positiv getestet worden.

Die Phonak-Teamleitung bestätigte daraufhin den positiven Test aus Athen. "Dabei wurden vermehrt rote Blutkörperchen als Folge einer Transfusion festgestellt", teilte Phonak-Sprecher Georges Luedinger mit. Damit wäre den Dopingjägern erstmals der Nachweis einer Bluttransfusion gelungen. Üblicherweise werden bei Radprofis nach den Etappen Harn-, aber keine Bluttests durchgeführt.

Bis auf weiteres suspendiert

Hamilton wurde von seinem Team bis auf weiteres suspendiert. Diese Maßnahme gelte bis zum Abschluss des Verfahrens. "Wenn Hamilton seine Unschuld nicht beweisen kann, wird der Vertrag mit sofortiger Wirkung aufgelöst", hieß es in einer Stellungnahme des Schweizer Rennstalls.

"Bin unschuldig"

"Ich bin zu 100 Prozent unschuldig", versicherte Hamilton dagegen vor der Presse. Der 33-Jährige, der in der vergangenen Saison von CSC aus Dänemark zu Phonak gewechselt war, vermutet hinter der positiven Analyse eine Manipulation. Die Doping-Proben vom 19. August in Athen und 18. September bei der Vuelta hätten Blutspuren einer anderen Person enthalten, hieß es dann auch in übereinstimmenden Erklärungen des Radsport-Weltverbandes und von Phonak.

"Tyler hat uns erklärt, dass er keine Transfusion vorgenommen hat", betonte Luedinger. Durch Transfusionen mit EPO angereichertem Blut konnten bisher direkte Kontrollen auf das als Blutdopingpräparat geeignete Hormon umgangen werden. "Wie bei allen schwebenden Dopingverfahren teilen wir keine Details mit", sagte IOC-Sprecherin Giselle Davies. Hamilton kündigte an, er werde bis zum letzten Euro um seine Goldmedaille kämpfen.

Bei Überführung droht Hamilton eine mehrmonatige Sperre, die Aberkennung seiner Goldmedaille und die mögliche Entlassung aus seinem Team. "Wenn sich das bewahrheitet, ist es mit Tylers Karriere wohl zu Ende", sagte der Schweizer Ex-Profi Tony Rominger. In Athen war die Rekordzahl von 24 Athleten des Dopings überführt worden. (APA/dpa/Reuters)

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    Tyler Hamilton bestritt auf einer Pressekonferenz entschieden jede Betrügerei.

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