Alpenländische Buffettology

17. September 2004, 22:47
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Er gilt als hart, öffentlichkeitsscheu und widersprüchlich. Über Mirko Kovats und seine Unternehmungen ist nicht viel bekannt.

Die Tür zum Sitz der Holding macht ein smarter junger Mann auf. An seinem Gürtel baumelt eine Pistole. "Sie kommen zu Herrn Kovats?", fragt er streng. Mirko Kovats später darauf angesprochen, wieso seine Mitarbeiter bewaffnet sind, zuckt der 55-Jährige mit den Schultern. Der Fahrer sei gleichzeitig der Zuständige für Sicherheit, "und er hat einen Waffenschein".

Mirko Kovats, die Galionsfigur von A-Tec Industries und Victory-Holding - Letztere hatte in den vergangenen Tagen und Wochen für Schlagzeilen rund um die versuchte Übernahme von Siemens und VA Tech gesorgt -, erklärt vieles pragmatisch. Beispielsweise sei er nicht öffentlichkeitsscheu. Nur: "Meine Firmen bringt es nicht weiter, meine Kunden auch nicht." Kommunikation mit den Medien also nur, wenn's was bringt. Derzeit bringt es etwas. Der Siemens-VA-Tech-Deal, unterstützt von Kovats, ist nicht zustande gekommen, seine Anteile haben an Wert verloren. "Kaufmöglichkeiten kommen und gehen", sagt er. Nur maximal zwei von zehn Deals würden realisiert. Natürlich komme es dabei vor, dass etwas nicht so läuft wie geplant. Das Nachsehen etwa hatte er beim Fernsehwerk Grundig ebenso wie beim Reifenhersteller Semperit. "Aber wir sind bereits bekannt und bekommen alles auf den Tisch, was zu unseren Geschäftsfeldern passt."

Wie schafft ein ehemaliger Osthändler den Sprung zum Investor? Es begann mit der Emco. "Ich habe damals 220 Millionen Schilling aufgestellt und dafür Haus und Hof verpfändet", erzählt er. "Vielen erschien dies hoch riskant und ich habe auch nicht extrem gut geschlafen. Aber die Emco hat sich gut entwickelt, und die Bankgarantien wurden nicht benötigt."

Das Investmentgeschäft erklärt er als eine Frage der Schwungmasse. Bei rentierlichen Investments seien weitere Käufe kein Problem: "Ab einem gewissen Ertragslevel kann man Akquisitionen aus dem Cashflow bezahlen. Das gelingt uns. Die meisten unserer Käufe sind bezahlt."

Thematisch konzentriert sich die A-Tec, die nur eine Hand voll Leute umfasst, auf das, was aus der früheren Exporthandelstätigkeit Kovats bekannt ist. "Ich betrete kein Neuland. Die Discos und Hotels (etwa das U4) waren Zufälligkeiten."

Kovats managt das Firmenimperium nicht selbst, dafür ist Vorstandsmitglied Christian Schmidt zuständig. Über die strategische Führung ist Kovats jedoch tief involviert. Vier Tage in der Woche reist er herum, zur Werksbesichtigung bestehender oder zum Kauf angebotener Unternehmen. Dabei eilt ihm der Ruf voraus, pingelig zu sein. So hasst er etwa eingeschlagene Fensterscheiben: "Die sind ja eine Visitenkarte."

Während der Woche wird "fast rund um die Uhr" gearbeitet; das Wochenende ist für Frau und Söhne (sechs und acht Jahre) reserviert. Für Golf oder Networking bleiben keine Zeit. "Ich sehe darin keinen Sinn."

Auch ein Börsengang der A-Tec wird unter diesen Gesichtspunkten abgewogen. Investor Relations kosten viel Geld und Zeit. "Da ist die Frage, ist das Geld, die Relationsarbeit kostet, nicht besser woanders angelegt." Trotzdem wurde ein einheitliches Controlling über die A-Tec-Betriebe gelegt, sagt der Handelswissenschafter stolz: "Für den Fall eines Börsengangs haben wir die notwendige Transparenz." Sein großes Vorbild dabei ist der US-Investor Warren Buffett: "Der setzt auf Nachhaltigkeit. Und er verdient damit ungeheuer viel Geld." (Der Standard, Printausgabe 18./19.9.2004)

Mit Johanna Ruzicka sprach er über persönliche Motivation und Ziele.
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