Bush trotz "Bürgerkriegsprognosen" des US-Geheimdienstes zuversichtlich

18. September 2004, 14:23
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Falluja: Laut Krankenhaus mindestens 30 Tote, nach US-Angaben, 60 - Toter Ausländer gefunden

Rochester/Falluja - US-Präsident George W. Bush hat sich am Donnerstag trotz eines eher negativen Berichts der US-Geheimdienste zum Irak zuversichtlich über die Entwicklung des Landes gezeigt. Die US-Strategie für den Irak funktioniere und die Wahlen seien weiterhin für Jänner geplant, sagte Bush bei einer Wahlkampfveranstaltung in Minnesota, ohne jedoch direkt auf den vertraulichen Irak-Bericht einzugehen. "Im Irak gibt es weiterhin Akte von Gewalt", sagte er. "Freiheit ist (aber) im Kommen."Die US-Streitkräfte hat unterdessen nach eigenen Angaben Angriffe in den Städten Falluja und Ramadi ausgeführt, um Anhänger des jordanischen Extremisten Abu Mussab al Zarqawi auszuschalten.

Falljua: Bis zu 60 Tote bei US-Angriffen

Bei amerikanischen Angriffen auf Stellungen Aufständischer in der irakischen Stadt Falluja und umliegenden Dörfern sind nach US-Militärangaben bis zu 60 Menschen getötet worden. Ein Arzt am Krankenhaus von Falluja sprach von mindestens 30 Toten und mehr als 40 Verletzten, darunter Frauen und Kinder. Falluja gilt als Hochburg sunnitischer Widerstandskämpfer. Ziel der Operation, die am Donnerstag begann und bis Freitag andauerte, waren Militärangaben Anhänger des jordanischen Extremisten Abu Mussab al Sarkawi.

In der Innenstadt von Bagdad kam es am Freitag zu Gefechten zwischen amerikanischen Truppen und Aufständischen. Wie ein Vertreter des irakischen Innenministeriums mitteilte, gingen die US-Soldaten - unterstützt von irakischen Sicherheitskräften - gegen Stellungen von Extremisten vor. Aufständische hätten das Feuer auf die Truppen eröffnet. Die Razzien fanden in der Haifa-Straße statt, wo am Dienstag eine Autobombe in der Nähe einer Polizeiwache explodiert war. Dabei kamen 47 Menschen ums Leben.

Die US-Streitkräfte bezeichneten die Angriffe in Falluja als Präzisionsschlag. Eine nachfolgende Offensive in Ramadi hatte nach amerikanischen Angaben die bisher wenig bekannte Gruppe Daham Terroristen-Netzwerk zum Ziel, die Verbindungen zu Al Sarkawi haben soll. Bei dem dortigen Angriff wurden nach irakischen Angaben sieben Menschen getötet und fünf weitere verletzt. Zu neuen Kämpfen kam es auch in der westlichen Provinz Anbar. Dort kamen nach Militärangaben drei amerikanische Marineinfanteristen ums Leben.

3 Geheimdienstseznarien

In der für Bush angefertigten Analyse entwarfen die Geheimdienste nach Angaben aus Regierungskreisen drei Szenarien für die Entwicklung bis Ende 2005: Im schlimmsten Fall drohe in dem ölreichen Golfstaat ein Bürgerkrieg, im besten Fall entwickle sich ein Staat, dessen Sicherheitslage und politische wie wirtschaftliche Stabilität stark gefährdet seien.

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, hatte zuvor zudem den für Jänner vorgesehenen Wahltermin für den Irak wegen der instabilen Sicherheitslage erneut in Frage gestellt und dabei Unterstützung vom demokratischen US-Präsidentschaftskandidaten, John Kerry, erhalten. Bush warf seinem Herausforderer vor, "gemischte Signale" in Richtung Irak zu senden. Jüngsten landesweiten Umfragen zufolge liegen Bush und Kerry derzeit wieder gleichauf in der Gunst der Wähler.

Bei drei separaten Einsätzen wurden am Donnerstag in der westirakischen Provinz Anbar drei US-Soldaten getötet. In Anbar liegen die Unruheherde Ramadi und Falluja.

Toter Ausländer gefunden

Die Serie der Entführungen von Ausländern im Irak reißt ebenfalls nicht ab. Unbekannte schleppten am frühen Donnerstagmorgen zwei Amerikaner und einen Briten aus ihrem Haus im Bagdader Villenviertel Mansur. Das bestätigte ein Sprecher des irakischen Innenministeriums. Damit befinden sich inzwischen mindestens sieben westliche Ausländer in der Hand irakischer Kidnapper. Im Bagdader Stadtteil Mansur erklärten Anwohner am Donnerstag, die beiden Amerikaner und der Brite seien wahrscheinlich Ingenieure.

Nördlich von Bagdad wurde in der Nacht zum Freitag die Leiche eines Ausländers aus dem Tigris gezogen worden, berichtete der Sicherheitschef am Krankenhaus von Tikrit. Der Mann habe blonde Haare sowie die Gesichtszüge eines Europäers oder Amerikaners, seine Hände seien hinter dem Rücken gefesselt gewesen. Die Todesursache war allem Anschein nach ein Schuss in den Hinterkopf. Papiere wurden den Angaben zufolge bei dem Toten nicht gefunden, so dass seine Identität zunächst unklar war. (APA/Reuters/dpa/AP)

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