Kopf des Tages: PDS-Spitzenkandidat Peter Porsch

    19. September 2004, 18:44
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    Wienerisch im sächsischen Wahlkampf

    Im sächsischen Wahlkampf ist sein Wienerisch unüberhörbar. Der PDS-Spitzenkandidat Peter Porsch ist im Oktober 1944 in Wien geboren, übersiedelte 1973 in die DDR, "der Liebe wegen, und weil ich immer schon links gewesen bin".

    Trotz seiner deutschen Staatsbürgerschaft ist er aber "Österreicher von Geburt und Sozialisation geblieben". Zu Schwestern und Schulfreunden in Österreich hat er noch engen Kontakt. Die Illusionen über das angeblich "bessere Deutschland" hat Porsch nach eigenem Bekunden bald nach seiner Übersiedlung in die DDR abgelegt. "Mir wurde rasch klar, der Einfluss auf die Staatspolitik ist gleich null."

    Er trat 1982 in die SED ein, begann eine Hochschullaufbahn und brachte es dabei bis zum Professor für Sprachsoziologie an der Universität Leipzig. Nach der Wende trat er der SED-Nachfolgepartei PDS bei und war kurzzeitig auch Vizeparteichef.

    In den vergangenen Wochen kämpfte der gerne als "Kaffeehaus-Sozialist" bezeichnete weißhaarige Bartträger nicht nur für die PDS, sondern auch für seinen Ruf. Medien wurden Dokumente übermittelt, wonach Porsch als "Informeller Mitarbeiter" für die Stasi gearbeitet haben soll. Er soll westdeutsche Journalisten und auch seine spätere Frau bespitzelt haben.

    Während Porsch gegen die Berichterstattung über seine angebliche Stasi-Mitarbeit in deutschen Medien juristisch vorgeht, spricht er mit ausländischen Journalisten offen darüber. Er habe mit einem Mann, der sich als Mitarbeiter der Kriminalpolizei vorgestellt habe, über eine Lesung gesprochen, die im Hause seiner damaligen Freundin abgehalten worden sei. Von einer wissentlichen Mitarbeit könne keine Rede sein, er könnte höchstens "abgeschöpft worden" sein.

    Porsch ist wegen seiner politischen Mandate schon mehrfach auf mögliche Stasi-Kontakte hin überprüft worden. "Jetzt, da die PDS im Wahlkampf gefährlich wurde, ist plötzlich angeblich etwas aufgetaucht", meint Porsch. Eine Konsequenz haben die Vorwürfe bereits: Er wurde als Universitätsprofessor entlassen, ohne vorher angehört worden zu sein. Porsch will sich nun gerichtlich gegen seine Absetzung wehren.

    Theoretisch könnte Porsch Sachsens Ministerpräsident werden, wenn die CDU die absolute Mehrheit verpasst und die wohl zweitstärkste Partei, die PDS, mit der SPD eine Koalition schmieden kann. Mit den aus Westdeutschland stammenden bisherigen CDU-Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf und Georg Milbradt hätte Porsch eines gemeinsam: "Sächsisch habe ich nie gelernt." Und dies, obwohl er sich wissenschaftlich mit Dialektologie beschäftigt und familiär in Sachsen fest verankert ist: Er ist hier zum dritten Mal verheiratet und hat mit jeder seiner bisherigen Ehefrauen ein Kind. (Alexandra Föderl-Schmid/DER STANDARD, Printausgabe, 17.9.2004)

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