Schlag gegen Film-Raubkopierer in Deutschland

30. September 2004, 18:03
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Vier Personen verhaftet - Schaden beläuft sich auf zweistelligen Millionenbetrag

Der Polizei ist offenbar ein einmalig großer Schlag gegen kommerzielle Raubkopierer neuer Kinofilme gelungen. Wie der "Tagesspiegel" berichtet, wurden am Donnerstag ein Münchner Rechtsanwalt und drei Thüringer unter dem Verdacht verhaftet, 45.000 Kunden über das Internet mit illegalen Kopien neuer Filme versorgt zu haben. Die an der Aktion beteiligte Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) sprach vom "vermutlich weltweit größten Schlag" gegen kommerzielle Anbieter von Raubkopien.

rund 45.000 Kunden

Über die Internetseite hätten die Verdächtigten seit Juni 2003 rund 45.000 Kunden bedient und dabei knapp eine Million Euro eingenommen, zitierte die Zeitung die Staatsanwaltschaft Mühlhausen in Thüringen. Der Anwalt sei für Rechtliches, Buchhaltung und Finanzen zuständig gewesen.

Über ein Konto der Kanzlei

Die Einnahmen flossen laut Unterlagen, die dem "Tagesspiegel" vorliegen, wahrscheinlich über ein Konto der Kanzlei. Zudem scheine der Anwalt Aufträge an Rechenzentren erteilt zu haben, um das kriminelle Netzwerk auszubauen. Die "hohe kriminelle Energie" und das "hoch professionelle, konspirative Vorgehen" seien einzigartig, sagte GVU-Chefermittler Bernd Kulbe. Der Schaden für die Filmindustrie belaufe sich auf einen zweistelligen Millionenbetrag.

Im Ausland

Die Rechner standen offenbar im europäischen Ausland, während ein Einwahlprogramm interkontinentale Verbindungen vortäuschte. Registriert war die Seite über eine Briefkastenfirma auf den Jungferninseln. Auf die Spur kam den Betrügern aber ein Hacker, der unbemerkt in das Computersystem eindringen konnte und monatelang Zugriff auf brisante Daten wie Abrechnungen, Kundendaten und Angaben zu den Rechenzentren hatte. Diese Indiziensammlung ging über einen Mittelsmann an die Polizei und den "Tagesspiegel". (APA/AP)

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