Kroatische Ex-Generäle bleiben doch in Haager U-Haft

16. September 2004, 17:02
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Flucht von Markac und Cermak befürchtet

Zagreb - Die wegen Kriegsverbrechen angeklagten kroatischen Ex-Generäle Ivan Cermak (54) und Mladen Markac (48) bleiben überraschend im Gefängnis des UNO-Tribunals in Den Haag in Untersuchungshaft, bis ihr Prozess beginnt. Das berichteten kroatische Zeitungen am Mittwoch. Mit ein Grund für die Entscheidung gegen eine vorläufige Freilassung dürfte der Fall des kroatischen Generals Ante Gotovina sein, der seit drei Jahren auf der Flucht ist. Offenbar wird befürchtet, dass sich auch Cermak und Markac der Justiz auf diese Weise entziehen könnten.

"Die kroatische Regierung ist überrascht, weil die Haager Staatsanwaltschaft einverstanden war, dass die Generäle den Prozessbeginn in Freiheit abwarten können", sagte die kroatische Justizministerin Vesna Skare-Ozbolt der Tageszeitung "Novi list". Ende Juni hatte das Blatt "zuverlässige Quellen im Tribunal" zitiert, wonach Chefanklägerin Carla Del Ponte mit der Entlassung Markac' und Cermaks aus der Untersuchungshaft einverstanden war.

Die beiden Ex-Generäle stellten sich im März freiwillig dem Kriegsverbrechertribunal. Ihnen werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen während und nach der Militäraktion "Sturm" im Sommer 1995 zur Last gelegt. Im Zuge der Offensive eroberten kroatische Truppen besetzte Teile des Landes, in denen die Serben ihre eigene Republik, die Republik Srpska Krajina, proklamiert hatten. Dabei wurden mehr als 200.000 Serben vertrieben und Tausende ihrer Häuser niedergebrannt. Cermak war damals Zivilverwalter in der umkämpften Krajina-Hauptstadt Knin, Markac kommandierte Spezialeinheiten der Polizei. (APA)

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