Serbien und Vojvodina

21. September 2004, 15:29
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Nordserbische Provinz "multiethnischstes Gebiet" Europas

Belgrad - In Serbien finden am Sonntag Kommunalwahlen statt, bei denen zum ersten Mal die Bürgermeister direkt gewählt werden. Bisher wurden sie von den Gemeinderäten und Stadtversammlungen bestimmt. In der nordserbischen Provinz Vojvodina, die wegen vermehrter Übergriffe auf Angehörige der ungarischen Volksgruppe ins Gerede geraten ist, wird zugleich ein neues Provinzparlament gewählt. Die Wahlen gelten als Test für die Regierungsparteien. Umfragen zufolge können die ultranationalistische Serbische Radikale Partei (SRS) des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Vojislav Seselj und die Demokratische Partei des serbischen Präsidenten Boris Tadic mit einem Sieg rechnen. Im Folgenden einige Eckdaten zu Serbien und der Vojvodina:

Fläche

Serbien-Montenegro - 102.173 Quadratkilometer, davon Serbien 88.361 Quadratkilometer. Auf die Vojvodina entfallen 21.506 Quadratkilometer, bzw. knapp ein Viertel des Gebietes Serbiens. Die südserbische Provinz Kosovo steht seit 1999 unter UNO-Verwaltung

Hauptstadt: Belgrad (Serbien)

Einwohner:

Serbien (ohne Kosovo) 7.479.000
Serbien-Montenegro (mit Kosovo) 10.616.000 (geschätzt)
Wahlberechtigt sind 6,532.263 Bürger Serbiens, davon in der Vojvodina 1,659.177 und in Belgrad 1,444.296 Bürger.

Gemeinden:

190 (Serbien), davon 45 Vojvodina und 29 Kosovo Im Kosovo wird die Kommunalwahl allerdings nicht abgehalten. Nicht gewählt wird auch in rund einem Dutzend serbischer Kommunen, wo bereits in den vergangenen zwei Jahren nach dem neuen Wahlgesetz abgestimmt wurde.

Vojvodina - "multi-ethnischstes" Gebiet Europas

Einwohner: 2.031.992
Hauptstadt: Novi Sad

Zusammensetzung der Bevölkerung: 1.321.807 Serbien
290.207 Ungarn
56.637 Slowaken
56.546 Kroaten
49.881 Jugoslawen
35.513 Montenegriner
30.419 Rumänen
15.626 Ruthenen

Amtssprachen:

Serbisch, Kroatisch, Ungarisch, Slowakisch, Rumänisch und Ruthenisch

Bildungswesen:

In 150 von 539 Grundschulen gibt es Unterricht in Minderheitensprachen, davon 100 ungarisch.

Autonomie:

Laut der jugoslawischen Verfassung von 1974 genossen die Vojvodina und der Kosovo bis 1989 eine weitgehende Autonomie innerhalb Serbiens. Diese wurde durch die unter Staatspräsident Slobodan Milosevic' erlassene Verfassung vom September 1990 zuerst stark eingeschränkt, um in den neunziger Jahren durch eine Reihe von Gesetzen praktisch abgeschafft zu werden. Nach dem Regimewechsel in Belgrad (Oktober 2000) wurden die Befugnisse der Provinzbehörden in der Vojvodina durch das sogenannte Omnibusgesetz an die weiter geltende Milosevic-Verfassung angepasst. Die Neuregelung der Provinzautonomie wird durch die neue Verfassung erwartet, über welche sich führende politische Parteien allerdings schon seit der politischen Wende im Oktober 2000 nicht zu einigen vermögen. Vor allem die Nationalisten in Belgrad wenden sich gegen eine Autonomie der Vojvodina. (APA)

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