Harte Zeiten für französische Tagespresse

23. September 2004, 12:36
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Rückläufige Verkaufszahlen und Bangen um die Unabhängigkeit

Für Frankreichs nationale Tageszeitungen kündigt sich ein sorgenreicher Herbst an. Bei der konservativen "Le Figaro" herrscht Besorgnis, nachdem der Flugzeugindustrielle Dassault die Kontrolle über den Verlag übernommen hat, bei der linksliberalen "Le Monde" hat die Betriebsleitung den Abbau von 100 Posten angekündigt, während die kommunistische "L`Humanite" und das Boulevardblatt "France Soir" sogar um ihr Überleben bangen müssen.

"Verheerender" Sommer

"Le Monde" hat nach einem eigenen Angaben zufolge "verheerenden" Sommer angekündigt, dass die Belegschaft um 100 Personen reduziert werden muss(etat.at berichtete). Es geht der Betriebsleitung darum, das Blatt aus den roten Zahlen zu führen. Betroffen sind Journalisten und Verwaltungspersonal. Am Mittwoch befasst sich der Betriebsrat mit dem Thema, am Donnerstag findet eine Vollversammlung statt.

"Sehr enttäuschender" Sommer

Als "sehr enttäuschend" bezeichnete den Sommer 2004 auch die linksunabhängige Pariser Tageszeitung "Liberation". Nach Angaben des Vertriebsdirektors Bertrand Houle nahmen die Verkaufszahlen in Bezug auf die Vergleichsperiode im Vorjahr um 13 bis 14 Prozent ab. Nach dem Scheitern der Übernahmeverhandlungen mit "Financiere Hoche" droht "France Soir" nun das Aus. Nicht ohne Humor hat die Redaktion Ende August eine Kleinanzeige in "Liberation" veröffentlicht, in dem sie nach einem "seriösen Interessenten" sucht.

Bangen um die Unabhängigkeit

Die Radaktion des "Figaro" bangt um ihre journalistische Unabhängigkeit, nachdem Dassault 82 Prozent des Kapitals des Verlags Socpresse übernommen hat, der insgesamt 70 Printmedien veröffentlicht. "Es gibt Informationen, die mehr Übel als Gutes anrichten. Dabei besteht das Risiko, die kommerziellen oder industriellen Interessen unseres Landes aufs Spiel zu setzen", erklärte Dassault nach Angaben der Journalisten gegenüber der Redaktion. Die Journalisten wollen am Donnerstag in einer Geheimabstimmung das Prinzip ihrer Unabhängigkeit durchsetzen.

Die 1904 von Jean Jaures gegründete "L"Humanite" leidet schon seit Jahren unter Leserschwund und Finanzschwierigkeiten. "Sollte es mit der ´Humanite´ zu Ende gehen, so wäre der Pluralismus zutiefst und vielleicht tödlich angegriffen", gab Xavier Ellie, Präsident des "Syndicat de la Presse Parisienne", zu bedenken. Auch "Le Parisien" erlebte nach Angaben der Direktion ebenfalls einen "schweren August".

"Ereignisschwacher Sommer"

Mit verantwortlich für die schwachen Verkaufszahlen machen die Zeitungsmacher in Frankreich unter anderem auch einen "ereignisschwachen Sommer". Abgesehen von den Olympischen Spielen fehlten im Juli und August markierende Medienereignisse wie etwa die Hitzewelle vom Vorjahr. (APA)

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