Öcalan soll Ermordung von PKK-Dissidenten angeordnet haben

12. September 2004, 14:45
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Ehemalige PKK-Sprecherin spurlos verschwunden - Blutige Machtkämpfe

Berlin - Der in der Türkei inhaftierte Chef der Kurdenorganisation PKK (Arbeiterpartei Kurdistans), Abdullah Öcalan, hat nach nach Informationen des "Tagesspiegel" die Ermordung mehrerer kurdischer Dissidenten angeordnet. Unter anderem stünden der ehemalige Europachef der PKK, Kani Yilmaz, und eine frühere PKK-Sprecherin auf der Todesliste von Öcalan, berichtet das in Berlin erscheinende Blatt in seiner Samstagausgabe.

Dies gehe aus Protokollen der Gespräche von Öcalan mit seinen Anwälten auf der türkischen Gefängnisinsel Imrali hervor, die in der Kurdenbewegung zirkulierten und der Zeitung vorliegen. Über die ehemalige PKK-Sprecherin Mizgin Sen, die sich im Mai von der PKK getrennt hatte, sagte Öcalan den Protokollen zufolge: "Macht sie unschädlich." Nach Angaben von Öcalan-Gegnern fehle von Sen seitdem jede Spur.

Abtrünniger Bruder

In der PKK toben nach "Tagesspiegel"-Informationen derzeit blutige Machtkämpfe. Allein in den vergangenen Monaten haben sich demnach Dutzende führender PKK-Mitglieder von der Organisation abgesetzt, darunter der halbe Zentralrat. Sogar Öcalans eigener Bruder Osman gehöre zu den Abtrünnigen; er sei zu den nordirakischen Kurden nach Mossul geflüchtet und habe dort eine neue Partei gegründet, der sich bereits viele PKK-Dissidenten angeschlossen hätten.

Zwanzig Jahre nach Beginn ihres bewaffneten Kampfes gegen den türkischen Staat und fünf Jahre nach Öcalans Festnahme sei die PKK damit endgültig auseinander gebrochen. Einige PKK-Einheiten verüben seit drei Monaten wieder verstärkt Anschläge und Überfälle in der Türkei. Nach "Tagesspiegel"-Informationen, hat Öcalan die Kontrolle über große Teile der PKK inzwischen verloren. (APA/dpa)

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