Präsident Nasarbajew in Wien

13. September 2004, 10:02
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EU-Mitgliedschaft für Kasachstan derzeit keine reale Perspektive - Aber "träumen wird man noch dürfen"

Wien - "Träumen wird man noch dürfen." - Kasachstans Präsident Nursultan Nasarbajew, dessen zentralasiatische Heimat mit ihrem westlichen Zipfel auch auf europäischem Gebiet liegt, sieht die mittelfristigen Perspektiven einer EU-Integration Kasachstans nüchterner, als seine erste Antwort scheinen lässt. Nasarbajew, der sich derzeit zu einem offiziellen Besuch in Österreich aufhält, erklärte nach einem Treffen mit Bundespräsident Heinz Fischer am Freitag, Kasachstan arbeite derzeit an der Bildung einer zentralasiatischen Union mit Russland, Weißrussland und der Ukraine. Wenn sich diese einmal stabilisiert habe, sind für Nasarbajew Assoziationsabkommen mit der EU denkbar.

Die zentralasiatische Zusammenarbeit der vier Staaten, "die gemeinsam 80 Prozent der Wirtschaftskraft der ehemaligen Sowjetunion vereinen", soll sich laut Nasarbajew nicht nur als gemeinsamer Wirtschaftsraum manifestieren, sondern mittelfristig auch eine gemeinsame Wirtschaftspolitik und supranationale Organe ausbilden.

Historisch gute Kontakte

Was die bilateralen wirtschaftlichen und politischen Beziehungen betrifft, freuen sich beide Präsidenten über historisch gute Kontakte und berichteten von geplanten weiteren Intensivierungen. Nasarbajew vergaß auch diesmal nicht, daran zu erinnern, dass Österreich unter Bundeskanzler Franz Vranitzky 1991 als erstes Land diplomatische Beziehungen zu dem neuen Staat aufnahm "und unserem auch Land auch die ersten Kreditlinien eröffnete." Die gegenwärtig rund 300 Millionen Euro an jährlichen bilateralem Handelsvolumen hält er allerdings "für sehr viel zu wenig" - obwohl davon ohnehin fast drei Viertel kasachische (Öl-)Exporte nach Österreich ausmachen.

Daher habe man, berichtete Fischer, mit dem heutigen Tag nicht nur seinen Gegenbesuch mit einer umfangreichen Wirtschaftsdelegation vereinbart, sondern auch die Einrichtung einer gemeinsamen Regierungskommission zur Förderung der Wirtschaftsbeziehungen sowie eines Büros der Wirtschaftskammer in Kasachstan. Die im Anschluss an das Präsidententreffen von Außenministerin Benita Ferrero-Waldner (V) und ihrem kasachischen Amtskollegen Kassymschomart Tokajew unterzeichneten bilateralen Abkommen zur Vermeidung von Doppelbesteuerung sowie wirtschaftlicher, landwirtschaftlicher, ökologischer, industrieller, technischer und technologischer Zusammenarbeit sollen dafür eine weitere Grundlage bilden.

Konkrete Verhandlungen gab es im Umfeld von Nasarbajews Besuch über Landerechte der AUA in Kasachstan. Freute sich Nasarbajew in diesem Zusammenhang über das große Interesse der heimischen Carrier, relativierte AUA-Boss Vagn Sörensen am Randes des Treffens gegenüber der APA: "Wir sind sehr interessiert an diesem Markt mit seinem großen Verkehrsaufkommen, aber wir haben bisher noch keinen Durchbruch erzielt."

Knackpunkt der Verhandlungen ist laut Sörensen, dass die AUA nur die Metropole Almaty anfliegen will, die kasachischen Verhandlungspartner aber unbedingt auch ihre noch in Bau befindliche neue Hauptstadt Astana auf dem Flugplan sehen wollen. Sörensen sieht einen Kompromiss in Reichweite, das ursprüngliche Ziel, bereits heuer Kasachstan anzufliegen, habe man aber auf Sommer 2005 verschoben. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Bundespräsident Heinz Fischer mit seinem kasachischen Kollegen Nursultan Nasarbajew

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