Pakistan: Angriff auf Al-Kaida-Lager

12. September 2004, 20:49
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Innenminister korrigiert US-Terrorexperten: Keine Hinweise auf Bin Laden - Computer in Tunnel gefunden

Islamabad - Bei einem pakistanischen Luftangriff auf ein mutmaßliches Al-Kaida-Lager im Grenzgebiet zu Afghanistan sind nach Angaben von Augenzeugen mindestens 60 Menschen getötet worden. Armeesprecher Shaukat Sultan sagte, während des zweistündigen "Präzisionsangriffs" am Donnerstag seien alle Terroristen getötet worden. Er sprach von 50 Toten.

Das Trainingscamp, in dem Tschetschenen, Usbeken und Araber auf Terror- und Sabotageakte vorbereitet worden seien, sei zerstört worden. Augenzeugen sprachen dagegen von vielen getöteten Frauen und Kindern.

Computer in Tunnel gefunden

Bei der weiteren Anti-Terror-Aktion in der westpakistanischen Region Waziristan sind am Freitag zehn mutmaßliche Terroristen getötet worden. Dies sagte ein Militärsprecher in Peshawar. Außerdem seien Computer in einem unterirdischen Tunnel gefunden worden, deren Informationen jetzt ausgewertet würden.

Im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet werden Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden und Taliban-Führer Mullah Omar vermutet. Am Mittwoch waren bei Kämpfen zwischen Sicherheitskräften und mutmaßlichen Terroristen im halbautonomen Stammesgebiet mindestens acht Menschen getötet worden.

Pakistanische Offizielle wiesen jedoch Aussagen des US-Antiterrorbeauftragten Cofer Black zurück, der gesagt hatte, man sei Bin Laden auf den Fersen. Der pakistanische Innenminister Sheikh Rashid Ahmed bezeichnete Blacks Aussage als "politisch". Es gebe keine Hinweise darauf, dass man einer Festnahme Osama Bin Ladens näher gekommen sei.

Vier Dörfer beschossen

Augenzeugen erzählten, die pakistanische Armee habe im Morgengrauen einen Angriff auf vier Dörfer im halbautonomen Stammesgebiet geflogen. Dabei seien zwei Kampfflugzeuge und zehn Kampfhubschrauber eingesetzt worden. Aus einem Flugzeug sei auf eine Menschenmenge geschossen worden, die Tote und Verletzte einer ersten Angriffswelle bergen wollte.

Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf hat den Druck auf Al-Kaida in den vergangenen Monaten deutlich erhöht. Vor kurzem war Pakistan mit der Festnahme von Ahmed Khalfan Ghailani ein spektakulärer Schlag gelungen.

Ghailani soll eine Schlüsselrolle bei den Bombenanschlägen auf die US-Botschaften in Nairobi und Daressalam vor knapp sechs Jahren gespielt haben. Er stand auf der Liste der 22 meistgesuchten Terroristen der US-Bundes- polizei FBI. Pakistan gilt als wichtiger Verbündeter der USA im Kampf gegen den Terrorismus. Musharraf wird deswegen von Fundamentalisten im eigenen Land scharf kritisiert. (dpa, guha/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.9.2004)

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    Augenzeugen erzählten, die pakistanische Armee habe im Morgengrauen einen Angriff auf vier Dörfer im halbautonomen Stammesgebiet geflogen.

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