Zwei Rechen-Beispiele zur Reform

14. September 2004, 23:09
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Vergleich zwischen einem 35-jährigen Angestellten und einer 46-jährigen Arbeiterin

Beispiel 1: Angestellter (35), arbeitet seit 1993

Ein Mann, der heute 35 ist, wird zunächst von der Ausweitung des Durchrechnungszeitraums (derzeit 18 Jahre) betroffen: Ab 2028 wird der Durchschnitt der 40 besten Einkommensjahre zur Berechnung der Bemessungsgrundlage herangezogen.

Zum Zeitpunkt des Pensionsantritts wird die Zahl der Versicherungsjahre mit 1,78 (dem so genannten Steigerungsbeitrag) und dann mit der Bemessungsgrundlage multipliziert. Hat der Mann zum Beispiel im Jahr 1993 mit 24 Jahren zu arbeiten begonnen und will (2033) mit 64 in Pension gehen, dann sind 40 Jahre mal 1,78 zu rechnen. Die Pension wären also 71,2 Prozent der Bemessungsgrundlage - 80 wären es bei 45 Versicherungsjahren. Dies könnte durch Nachkauf von Pensionszeiten (etwa für Schulbesuch) angehoben werden.

Weil aber der Mann in unserem Beispiel früher als zum Regelpensionsalter von 65 Jahren (dieses gilt ab 2014) in Pension gehen will, muss er einen zusätzlichen Abschlag von 4,2 Prozent hinnehmen.

Beispiel 2: Arbeiterin (46), arbeitet seit 1974

Eine Frau des Jahrgangs 1958 hätte nach den früheren Regeln damit rechnen können, mit 55 Jahren - also im Jahr 2013 - in Pension gehen zu können. Die bereits im Vorjahr beschlossene und sich nun langsam einschleifende Anhebung des Pensionsalters führt dazu, dass sie erst im Jahr 2018 auf den vollen Pensionsanspruch kommen wird.

Und das, obwohl sie bei einer ständigen Beschäftigung 44 Versicherungsjahre zusammenbrächte. Allerdings legen die bisherigen Karriereverläufe nahe, dass kaum eine Frau durchgehend in einem Beschäftigungsverhältnis steht - einerseits infolge der Arbeitsmarktsituation, andererseits infolge von Kindererziehungszeiten. Diese werden durch den jetzigen Schritt der Pensionsharmonisierung allerdings besonders aufgewertet: Pro Kind können 48 Monate Versicherungszeit angerechnet werden (auch wenn die Kinder vor 2005 geboren wurden), dazu kommt, dass pro Kind drei Jahre aus der Durchrechnung herausgenommen werden können. (DER STANDARD, Printausgabe, 9. 9. 2004)

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