Gewerkschaftsfusion, ein Traum für drei Jahre

11. September 2004, 17:49
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Ambitionierter Start, langes Ende

Wien - Die Großfusion in der Gewerkschaft ist seit heute Geschichte. Nach dem Vorbild der deutschen ver.di waren Metaller und Privatangestellte vor drei Jahren angetreten, gemeinsam einen mächtigen Apparat innerhalb des ÖGB aufzubauen. Einem ambitionierten Beginn folgten zähe und jahrelange Verhandlungen, die letztlich in die Einsicht mündeten, dass die beiden traditionell verfeindeten Gewerkschaften einfach nicht zusammenpassen. Leidtragende sind dabei auch Drucker und Agrar-Nahrung-Genuss, die das Scheitern des Projekts nun mitmachen müssen. Im Folgenden eine Chronologie.

8.10.01: Völlig überraschend geben Metaller und GPA bekannt, sich bis 2003 zu einer Großgewerkschaft zusammenschließen zu wollen. ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch wurde erst im letzten Moment über das Projekt informiert. Drucker, Agrar-Nahrung-Genuss und (nach langem Zögern) Chemiearbeiter schließen sich an.

6.3.02: Gründungspapier der Großgewerkschaft wird unterzeichnet. Der Zusammenschluss soll nun 2004 erfolgen, ebenso der Einzug ins neue Gewerkschaftshaus in Wien-Erdberg.

28.1.04: Die GPA nimmt (wie vorher die Drucker und die Chemiearbeiter) den Organisationsplan für die neue Gewerkschaft an.

29.1.04: Die Metaller verweigern dem Organisationsplan die Zustimmung.

21.5.04: Die Chemiearbeiter geben bekannt, sich aus dem Projekt zurückzuziehen.

3.6.04: Spitzengespräch im ÖGB bleibt ohne Ergebnis. ÖGB-Finanzchef Günther Weninger soll umstrittene Geschäfte der GPA (u.a. Betrieb eines Einkaufszentrums) klären.

6.8.04: Weninger sieht Probleme ausgeräumt.

17.8.04: Metallerchef Rudolf Nürnberger stellt in der "Zeit im Bild" erstmals öffentlich das Fusions-Projekt in Frage.

9.9.04: ÖGB-Präsident Verzetnitsch gibt das Scheitern des Zusammenschlusses bekannt. (APA)

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