Plädoyer für die Legalisierung des Handels mit Nieren

8. September 2004, 13:58
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Kürzlich verstorbener israelischer Mediziner wies auf bereits existierenden Schwarzmarkt hin

Wien (APA) - Speziell um den Mangel an Spendernieren zu reduzieren, forderte der bekannte israelische Nephrologe Dr. Michael M. Friedländer von der Hadassah Universitätsklinik in Jerusalem eine Entscheidung der Gesellschaft: Soll die bezahlte Spende einer Niere ermöglicht werden? Friedländer sprach sich vor dem Kongress dafür aus. Doch nun kann er seine Meinung nicht mehr - wie geplant - bei einer Pressekonferenz im Austria Center Vienna darlegen. Der Experte starb vor kurzem. Seine Botschaft: Auch der Kauf von Nieren sollte - unter strengen Auflagen - erlaubt sein, einen Schwarzmarkt gäbe es ohnehin schon längst.

"Der Handel mit Organen existiert bereits. Den kann man nicht durch gesetzliche Verbote zum Verschwinden bringen. Ich schlage daher vor, dass man gesetzliche Regelungen einführt, die allen Beteiligten eine legale Alternative bieten. Ein solches Programm würde einerseits die Organspender vor medizinischem und finanziellen Missbrauch schützen, den auf ein Organ wartenden Patienten aber gleiche Chancen auf eine Transplantation bieten", hatte Friedländer aus Anlass des Kongresses festgestellt.

Hintergrund

An der Hadassah-Universitätsklinik wurden seit 1972 rund 500 Nierentransplantationen durchgeführt. Etwa die Hälfte der Organe stammte von lebenden Verwandten der Empfänger.

Doch Friedländer und seine Kollegen wurden zunehmend auch mit anderen Transplantationspatienten konfrontiert: "Wir haben mittlerweile schon rund 400 Patienten betreut, die aus dem Ausland mit transplantierten Nieren von bezahlten Lebend-Spendern zu uns kamen. Wir hatten beispielsweise einen Zustrom von mehr als 300 arabischen Patienten von der Westbank, die Nieren von bezahlten Spendern in Indien oder im Irak erhalten hatten."

Unkontrollierter Markt

Wenn dies auch - so der mittlerweile verstorbene Friedländer - manche Menschen, Gesellschaftssysteme oder Staaten ignorieren würden, längst sei ein unkontrollierter Markt für Spendernieren entstanden. Der Experte: "Unglücklicherweise gibt es eben noch immer Weltregionen, wo Kriminelle (Händler, Anm.) unentdeckt und unbestraft bleiben."

Doch statt weltweit nicht mehr exekutierbarer Verbote des bezahlten Spendens von Nierenorganen wollte Friedländer dies unter strikten gesetzlichen Regelungen realisiert sehen: "Gesetzliche Vorkehrungen, welche einen Verkauf von Nieren ermöglichen, würden - so hoffe ich - die Zwischenhändler umgehen und kriminelle Praktiken verhindern, von denen wir lesen."

Wegleugnen - so Friedländer erst vor wenigen Wochen - könne man diese Frage nicht: "Unsere jüdischen Patienten erkannten sehr bald, dass die arabischen Patienten (durch die häufigeren Transplantationen, Anm.) von den Listen der Dialysepatienten verschwanden." Und über spezielle Agenturen vermittelte Transplantationen mit Organen von bezahlten Spendern im Ausland hätte man durch die nationalen Gesetze nicht verhindern können. (APA)

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