Widerstand gegen Teilung formiert sich

29. September 2004, 13:13
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Das Rätselraten um eine mögliche Übernahme der VA Tech durch Siemens und Kovats ging am Freitag weiter. Am Dienstag finden Betriebsversammlungen statt

Wien – Wie herzlich VA-Tech-General Klaus Sernetz und sein Vize Gerhard Falch beim designierten Siemens-Konzernchef Klaus Kleinfeld in München Donnerstagnachmittag empfangen wurden, ist nicht überliefert. Fix ist nur, dass der deutsche Elektronikkonzern eine Übernahme des Linzer Anlagenbaukonzerns ernsthaft ins Auge fasst.

Ein Übernahmeangebot hat Siemens bis dato jedenfalls noch nicht gelegt; ebenso wenig, wie die Siemens-Organe entsprechende Beschlüsse gefasst haben. Auch die von der Übernahmekommission geforderte Aufklärung jenes Widerspruchs, den die Kommission zwischen den Erklärungen der Übernahmepartner Siemens und Mirko Kovats sieht, blieb dem Vernehmen nach aus.

Kovats hatte, wie berichtet, bekannt gegeben, er führe mit Siemens Gespräche über eine mögliche Übernahme der VA Tech. Siemens hingegen hatte lediglich bestätigt, Überlegungen anzustellen, ob Teilaktivitäten der VA Tech für Siemens interessant seien.

Interesse klar

Laut Insidern ist freilich klar, dass sich Siemens Deutschland für die Division Energieübertragung und -verteilung (T&D) und Siemens Österreich für Elin EBG, allenfalls auch die EDV-Tochter AI Informatics interessiert.

Bleiben für VA-Tech-Aktionär Kovats bzw. dessen Victory Industriebeteiligung der Kraftwerksbau (Hydro) und der Industrieanlagenbau (VAI), der dem Vernehmen nach allerdings weiterverkauft werden soll.

Unklar ist weiters, ob die 40-Tage-Frist, in der Siemens nach Bekunden des Interesses ein Übernahmeangebot an alle Aktionäre legen müsste, bereits läuft.

Heftige Reaktionen

Fix ist allerdings, dass die Reaktionen auf einen möglichen Einstieg von Siemens, den die VA-Tech als mögliche feindliche Übernahme ablehnt, österreichweit heftig ausfallen. "Das wäre eine feindliche Übernahme", sagt auch VA-Tech-Aufsichtsratsmitglied Ludwig Scharinger zum STANDARD, "das leistet sich Siemens nicht."

Wirtschaftsminister Martin Bartenstein ist der Meinung, dass das 15-Prozent-Paket der ÖIAG eine Art Sperrminorität darstellt und eine Übernahme daher gar nicht möglich wäre.

Die SPÖ ist sowieso gegen einen Ausverkauf. Parteichef Alfred Gusenbauer fordert Regierung und ÖIAG auf, "sofort tätig zu werden". Sein oberösterreichischer Parteigänger Erich Haider glaubt, mit einer ÖIAG-Aufsichtsratssitzung etwas verhindern zu können. Er fordert weiters die Aufstockung des Staatsanteils auf knapp 20 Prozent.

Betriebsversammlungen

Der VA-Tech-Konzernbetriebsrat tut selbst etwas, er trifft sich am Montag in Wien, um die am Dienstag in ganz Österreich und auch international stattfindenden Betriebsversammlungen vorzubereiten, kündigte Konzern-Betriebsratschef Anton Beneder an.

Die Arbeitnehmervertreter befürchten insbesondere am Standort Weiz den Verlust von Arbeitsplätzen, wenngleich Siemens verlauten lässt, dass im Fall einer Übernahme keine Jobs gestrichen würden. Eine Arbeitsplatzgarantie können sich Siemens-Kenner allerdings für maximal ein bis zwei Jahre vorstellen, denn es gäbe zu viele Überschneidungen und Überkapazitäten am Markt. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4./5.9.2004)

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