Eriksson traut England 2006 WM-Titel zu

2. September 2004, 19:27
10 Postings

Der englische Teamchef sieht seine Mannschaft "fast auf einem Level mit Brasilien" und schwärmt von den britischen Jungstars

London - Geht es nach Englands Teamchef Sven-Göran Eriksson, dann könnte mit der Auftaktpartie in der WM-Qualifikation am Samstag im Wiener Happel-Stadion gegen Österreich gleichzeitig der Startschuss für eine goldene Ära im englischen Fußball fallen. Der Schwede hält große Stücke auf seine Schützlinge und traut ihnen bei der kommenden WM in Deutschland sogar den Titel zu. "Wir sind fast auf dem gleichen Level wie Brasilien oder Portugal. Wir brauchen zwar auch ein bisschen Glück, aber 2006 können wir ganz an der Spitze sein", sagte der 56-Jährige der "Gazzetta dello Sport".

Stolz auf "junge Welle"

Erikssons Optimismus gründet sich nicht nur auf aktuelle Stars wie David Beckham oder Michael Owen, sondern auch auf die von Wayne Rooney angeführte "junge Welle". "Wir sind in der glücklichen Lage, mit Shaun Wright-Phillips, Jermain Defoe, Jermaine Jenas oder Jermaine Pennant aufstrebende Talente zu haben. Das sind Spieler mit Qualität und voller Energie", sagte der Teamchef.

Herausragend ist für Eriksson natürlich Rooney, der aber gegen Österreich wegen seines bei der EM erlittenen Mittelfußknochenbruchs fehlen wird. "Eines ist klar: Rooney ist ein Super-Talent. Seine größte Stärke ist seine Unbekümmertheit. Auf dem Platz ist er immer cool", schwärmte der Coach von seinem Jungstar.

Schwede fordert weniger Spiele

Bedenken kommen Eriksson nur, wenn er an den straffen Terminplan seiner Top-Kicker denkt. "Für eine WM benötigt man eine Vorbereitungszeit von mindestens einem Monat. Wenn FIFA und UEFA nichts unternehmen, werden die Zuschauer bei der WM 2006 nur müde Stars zu sehen bekommen", meinte der frühere Lazio- und Besiktas-Meistermacher. "Bald gibt es in Stockholm ein UEFA-Meeting mit allen europäischen Teamchefs. Ich hoffe, dass sich die Dinge von da an ändern werden", fordert der Schwede weniger Spiele für die Akteure und ist damit einer Meinung mit FIFA-Boss Sepp Blatter.

Die internationalen Verbände, aber auch die Klubs müssten endlich die Lehren aus den vergangenen Großveranstaltungen ziehen. "Man hat bei der letzten EM und WM gesehen, dass es das Wichtigste ist, ausgeruhte Spieler zu haben. Taktik oder Qualität der Spieler waren zweitrangig", meinte Eriksson. "Es ist einfach ein Faktum, dass England, Spanien oder Italien zu den letzten Turnieren mit müden Spielern angereist sind."

In der Yellow Press angezählt

Müdigkeit als Ausrede wird die britische Boulevard-Presse aber wohl nicht akzeptieren, sollte der WM-Qualifikationsauftakt in Österreich und vier Tage später in Polen nicht die gewünschten Erfolge bringen. Schon bei seinem Amtsantritt im Jänner 2001 sah er sich angesichts der Tatsache, erster ausländischer Teamchef in England zu sein, mit massiven Anfeindungen konfrontiert. Spätestens seit seiner Affäre mit der Verbandssekretärin Faria Alam (FA-Exekutivchef Mark Palios, ebenfalls mit Alam verbandelt, musste im Zuge der Turbulenzen zurücktreten) ist der Schwede in der Yellow Press angezählt, bereits zuvor hatten seine Kontakte mit Chelsea für Unmut in der englischen Öffentlichkeit gesorgt.

Dabei hat Eriksson, der im März seinen Vertrag bis zur EURO 2008 in Österreich und der Schweiz verlängerte, eine durchaus erfolgreiche Bilanz vorzuweisen. Höhepunkte waren unter anderem der 5:1-Auswärtstriumph gegen Deutschland 2001 oder der 1:0-Sieg über den großen Rivalen Argentinien in der Gruppenphase der WM 2002.

Gute Bilanz von Eriksson

In seiner Ära als Teamchef gingen nur zwei Pflichtspiele nach regulärer Spielzeit verloren, und das gegen hochkarätige Gegner. Im WM-Viertelfinale war nach 1:0-Führung gegen den späteren Weltmeister Brasilien mit 1:2 Endstation, in der Gruppenphase der EM unterlagen die Insel-Kicker dem damaligen Titelverteidiger Frankreich nur durch zwei Tore von Zinedine Zidane im Finish 1:2. Nach dem wohl spannendsten Match der gesamten EURO 2004 mussten die "Three Lions" im Viertelfinale gegen Gastgeber Portugal erst im Elferschießen Abschied nehmen.

Auch in seinen vorangegangenen Trainer-Stationen fuhr Eriksson beachtliche Erfolge ein. Als Spieler keine große Nummer, sorgte er als Trainer schon früh für Furore. Von 1980 bis 1982 führte er IFK Göteborg zu einem Meistertitel, zwei Cup-Siegen und dem Triumph im UEFA-Cup 1982. Danach holte er mit Benfica Lissabon von 1982 bis 1984 zwei Titel und einen Cup-Sieg. Weitere Meilensteine waren der Vize-Meistertitel und Cup-Sieg mit AS Roma 1986, abermals ein portugiesischer Meistertitel 1991 und ein verlorenes Meistercup-Finale mit Benfica 1990 im Wiener Prater-Stadion gegen AC Milan, ein italienischer Cup-Sieg 1994 mit Sampdoria sowie ein "Scudetto" (2000), zwei Cup-Siege (1998,2000) und der Triumph im Cup der Cupsieger (1999) mit Lazio Rom. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Sven Goran Eriksson musste nach seiner Affäre einiges von der Yellow Press einstecken.

Share if you care.