ATX: Erfolgt die Richtungsentscheidung im September?

1. Oktober 2004, 09:25

An der Wiener Börse sind die Sommerferien noch nicht zu Ende...

Der August hat unsere Prognosen voll und ganz erfüllt: Zwar war das Wetter deutlich besser als erwartet, dies hatte auf den österreichischen Aktienmarkt jedoch keinerlei Auswirkung, da sich die Börsianer bereits im Juli weitgehend vom Markt absentiert hatten. Die Anleger übersiedelten lediglich von der überdachten Terrasse in den sonnigen Gastgarten, den ATX aber liessen sie links liegen. So blieb der österreichische Aktienmarkt auch im August von einer tiefgehenden Antriebslosigkeit geprägt und es kam weder zu einem Anstieg noch zu einer Korrektur. Einzig die vermasselte Telekom-Geschichte wird dem ATX-Chart als Mahnmal des Dilettantismus erhalten bleiben. Ansonsten gibt es über den August nichts zu berichten. Wird der September dem ATX nun endlich die erhoffte Richtungsentscheidung bringen?

Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau

Schon seit Sommerbeginn befindet sich der ATX in einer ausgedehnten Seitwärtsbewegung, im Rahmen derer der Index eine seltene Broadening Formation ausgebildet hat, d.h. eine sich verbreiternde Formation, also eine Art invertiertes Dreieck. In dieser Konstellation ist diese Formation beim ATX in erster Linie als Warnsignal zu interpretieren, eine endgültige Richtungsentscheidung ist diesbezüglich aber noch nicht gefallen. Im Gegenteil: Die Kursprognose wird zunehmend schwieriger, da die Spanne der zu erwartenden Kursbildungen immer breiter wird. Im Moment liegen die beiden Begrenzungslinien bei cirka 2060 und bei 1940 Punkten. In dieser Bandbreite sind daher zunächst auch die Notierungen zu erwarten.

Neue Impulse durch Aufwärtstrend?

Nach unten hin besteht im Rahmen der Formation erfreulicherweise aber nicht mehr viel Spielraum, denn hier befindet sich abgesehen von der Unterstützung bei 1936 Indexpunkten noch die mittelfristige Aufwärtstrendlinie, welche bereits bis cirka 1945 Punkte vorgedrungen ist. Verlässt der ATX jedoch die Broadening Formation nach unten, so ergibt sich in Zusammenhang mit dem Bruch des Aufwärtstrends ein Kursziel von zumindest 1825 Punkten, schlimmstenfalls könnte die Talfahrt dann sogar zur Hauptunterstützung bei 1750 Zählern andauern. Nach oben hin würde ein Ausbruch den ATX ab 2060 Punkten in Richtung von 2180 bis 2200 führen.

Markttechnik: Kurzfristig ok, mittelfristig bedenklich

Die Markttechnik ist beim ATX als brisant einzustufen. Die Stochastik hat vor kurzem ein Kaufsignal generiert und weist noch genug Platz nach oben auf. Das bedeutet, dass der ATX vorerst neutral bzw. positiv zu beurteilen ist. Ein Bestätigung dürfte demnächst vom MACD kommen, der schon bald mit einem Kaufsignal nachziehen könnte. Zunächst ist es daher recht wahrscheinlich, dass der ATX wieder die obere Begrenzungslinie ansteuern wird. Mittelfristig gesehen sendet die Markttechnik beim ATX jedoch weiterhin klare Warnzeichen aus. Der Trendstärkeindikator ADX befindet sich etwa auf dem tiefsten Wert seit August 2003. Ausserdem sind sowohl MACD als auch RSI und Stochastik von deutlich ausgeprägten, mittelfristigen Divergenzen dominiert, welche als Vorboten einer Trendwende angesehen werden müssen.

Strategie

Beim ATX besteht zunächst kein konkreter Handlungsbedarf. Solange eine Richtungsentscheidung ausbleibt, kann man ruhig investiert bleiben. Man sollte jedoch die Gewinne nicht unnötig gefährden und daher sicherheitshalber im oben erwähnten Unterstützungsbereich ein Stop-Loss einziehen, um sich vor einem eventuellen Bruch des Aufwärtstrends zu schützen. Neuengagements bleiben weiterhin spekulativ und riskant. Hierzu könnte man die Begrenzungen der oben beschriebenen Formation heranziehen. Wir sehen derzeit mehr Potenzial bei gewissen Einzelaktien.

(Wolfgang Weinmann)

Diese und weitere Analysen finden Sie auf der Homepage von Chartanalyst unter www.chartanalyst.at

Wolfgang Weinmann ist Herausgeber des Börseninformations-Service Chartanalyst

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