Studie: Österreicher EU-weit Nummer 1 bei Öffi-Nutzung

8. September 2004, 08:49
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VCÖ: 4,4 Millionen Personen "wesentlich vom Öffentlichen Verkehr abhängig"

Wien - "Mit 3.010 Kilometer pro Kopf und Jahr liegt Österreich bei der Benützung Öffentlicher Verkehrsmittel in der EU an erster Stelle", erklärte am Mittwoch der Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Demnach werden hier zu Lande pro Person fast doppelt so viele Kilometer mit mit den Öffis zurückgelegt wie in Deutschland. Davon profitiert nicht nur die Umwelt sowie die Unfallstatistik, sondern auch die Wirtschaft. Laut einer aktuellen VCÖ-Studie erwirtschaftet der Öffentliche Verkehr neun Mrd. Euro pro Jahr - von der Zuliefertermin bis hin zu den Verkehrsunternehmen.

Insgesamt werden jährlich 24,4 Mrd. Personenkilometer mit Bim, Bahn und Bus zurückgelegt, rechnete VCÖ-Experte Wolfgang Rauh vor. Davon würden 8,3 Mrd. Personenkilometer von den ÖBB und den 14 Privatbahnen erbracht. 16,1 Mrd. Personenkilometer würden in Bussen, Straßenbahnen und der U-Bahn abgespult. Für rund 2,9 Mio. Erwachsene und 1,5 Mio. Kinder gebe es auch - außer der Mitfahrgelegenheit - gar keine Alternative - sie besitzen kein Auto. "Mehr als 4,4 Millionen Personen in Österreich sind wesentlich vom Öffentlichen Verkehr abhängig, um mobil sein zu können", so Rauh.

Arbeitsgeber

Doch nicht nur wer kein Auto hat, braucht die Öffis. Der Öffentliche Verkehr gibt 172.000 Personen einen Job und erspart den Unternehmen Staukosten von 1,9 Mrd. Euro. Mit einem BIP-Anteil von rund vier Prozent sei der Beitrag am Bruttoinlandsprodukt doppelt so hoch wie jener der Landwirtschaft. Alleine die Bahn würde eine Wertschöpfung von 4,8 Mrd. Euro erwirtschaften, geht aus der VCÖ-Studie hervor.

Wie der VCÖ weiter vorrechnet, exportiert der Bahnbereich mehr als er importiert - im Gegensatz zum Auto. Der Handelsbilanzüberschuss im Schienenverkehrssektor betrage rund 770 Mio. Euro pro Jahr, bei der Kfz- und Auto-Zulieferindustrie werde hingegen um 12,5 Mrd. Euro mehr importiert als exportiert. "Österreich hat im Sektor Öffentlicher Verkehr mit Siemens SGP, Bombardier oder Plasser & Theurer weltweit angesehene Industrieunternehmen", betonte Rauh. Als Export-Beispiele nennt er Stadtbahnen für Köln, London, Istanbul und Stockholm sowie Straßenbahnen und Metrofahrzeuge für Bangkok und Shanghai.

Bahnausbau gefordert

Einmal mehr fordert der VCÖ, mehr in den Bahnausbau zu investieren. Nicht zuletzt, um am jährlichen weltweiten Beschaffungsvolumen von 23,6 Mrd. Euro mitnaschen zu können. Alleine in Westeuropa betrage dieses Volumen 13,8 Mrd. Euro.

Wenn es die Politik ernst meine mit der Reduktion des Transits - und sie wird nicht müde das zu betonen - dann müsse der Infrastrukturausbau intensiver als bisher voran getrieben werden, mahnte der Verkehrsclub ein. Derzeit würden dank Bahn eine Million weniger Transit-Lkwfahrten durch Österreich führen, mit einer Leistung von 17,6 Mrd. Tonnenkilometer pro Jahr würde man 62 Prozent der Lkw-Transportleistung abdecken, erklärte Rauh. Bei der Schienengüterleistung pro Kopf und Jahr innerhalb der EU an 4. Stelle. Lediglich die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen hätten einen höheren Anteil. (APA)

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