"Man kann etwas bewirken"

24. Oktober 2006, 13:59
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Gleichgesinnte treffen, Aktionen organisieren, politisches Gewissen stärken-amnesty international startet SchülerInnen-Workshops zum Thema "Menschenrechte"

"Jugendliche, die sich für das Thema Menschenrechte interessieren, sollen bei uns die Möglichkeit bekommen, Gleichgesinnte zu treffen", beschreibt Mag. Barbara Weber, Leiterin der ai.academy, das Ziel ihrer Initiative. "Viele SchülerInnen wissen nicht, wohin sie sich wenden sollen, wenn sie sich für Menschenrechte engagieren möchten". Dabei, berichtet Weber, sein es besonders wichtig, Jugendlichen die Sinnhaftigkeit eines Engagements vor Augen zu führen. "Jeder einzelne kann etwas bewirken".

Bewusstsein fördern

Zu diesem Zweck startet amnesty international (ai) im September ein Programm zur Menschenrechtsbildung: Workshops auf der mobilen "ai.academy" sollen das Bewusstsein für Menschenrechte fördern und Wissen mit Aktivismus verknüpfen. Mit dem Slogan "get into it" will manesty ganz gezielt junge Menschen ab zwölf Jahren ansprechen. Das Lernen über, durch und für Menschenrechte versteht sich als Präventionsarbeit zum Schutz der Menschenrechte. Wesentlich dabei: Menschenrechte kann man nur lehren, wenn sie gelebt werden.

Junge Disziplin

Menschenrechtsbildung ist relativ jung: mittels Unterrichtsprinzip "Politische Bildung" soll sie seit 1978 an den Schulen vermittelt werden. Klassische Methoden wie reine Wissensvermittlung funktionieren dabei nicht. Interaktive Vermittlung sei sinnvoller, ist Barbara Weber überzeugt. "Wenn Schüler die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte herunterbeten können, hat das nicht viel mit ihnen zu tun. Wichtig ist, dass sie es selbst erleben." Das Programm der Bildungseinrichtung umfasst unter anderem Trainings über Menschenrechtsschutz, Flüchtlinge in Österreich, Teamarbeit sowie Gewalt gegen Frauen.

Aufgabe des Staates

Die Kurse der ai.academy beruhen auf Freiwilligkeit, erklärt Barbara Weber. "Natürlich erreichen wir damit nicht so viele Schüler, wie es mit einer Einbindung in den verpflichtenden Schulunterricht möglich wäre", erzählt sie. "Aber die Lösung dieses Problems ist Aufgabe des österreichischen Staates, dessen Job wir hier nicht übernehmen möchten."

Die Servicestelle für Menschenrechtsbildung unterstützt Schüler und Lehrer mit Workshops und Unterrichtsmaterialien. Zur Unterstützung bei der mitunter mühsamen Recherchearbeit können sich Lehrer an die Stelle wenden. "Für Schüler ist es auch spannend, wenn eine externe Person als Referent in die Klasse kommt", so Elisabeth Turek von der Servicestelle.

Eigene Ressourcen nutzen

Sie empfiehlt, die Eigeninitiative der Schüler zu fördern, ihre Ressourcen zu nutzen. Der Einsatz von Gruppenarbeit, Theater und Bilder nimmt Rücksicht auf die verschiedenen Lerntypen. Auch wenn das Wort "Menschenrechte" nicht fällt, kann es doch behandelt werden: mit Themen wie Kinderarbeit, Kooperation, Solidarität, Zivilcourage. Globale Probleme und Zusammenhänge bekommen Gestalt, wenn sie etwas mit dem eigenen Leben zu tun haben.

Immer mehr Jugendgruppen

Barbara Weber berichtet, dass viele Jugendliche bei den Workshops "auf den Geschmack" kommen: "Wenn jemand merkt, dass ihn ein Thema besonders interessiert, kann er sich einer young amnesty Gruppe anschließen". SchülerInnen, die sich aktiv für den Schutz der Würde und der Rechte ihrer Mitmenschen einsetzen möchten, können sich in den Jugendgruppen für soziale Projekte aller Art einsetzen.

Die Verbindungen entstehen häufig auf Initiative von LehrerInnen im Rahmen von Schulklassen, oft sind es aber junge Leute selbst, die im Rahmen einer Schule, einer Jugendorganisation oder einfach privat zu einer young amnesty-Gruppe zusammenfinden. Mittlerweile sind die Aktionen dieser ai-Jugendgruppen ein unverzichtbarer Bestandteil der ai-Arbeit geworden: In Österreich waren im vergangenen Schuljahr etwa 750 junge Leute in zirka 65 young amnesty-Gruppen aktiv. (apa/az)

Anmeldung und Infos:

www.ai-academy.at
  • Artikelbild
    bild: amnesty
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