Alkopops erst ab 18: Experten kritisieren Verbotsforderung

3. September 2004, 23:12
61 Postings

Stadt-VP: Jugendliche sollen auch in Wien keine fertigen Mixgetränke mehr kaufen und konsumieren dürfen - Ein Wunsch, der bei Experten auf Unverständnis trifft

Wien – Umgerechnet zehn bis 14 Schnäpse kippen Jugendliche, wenn sie bei Clubbings oder Partys sieben, acht Flaschen der so genannten Alkopops trinken. Grund genug für die Wiener ÖVP, die Debatte um Maßnahmen gegen die meist fruchtigen Mischgetränke weiter anzufachen. Verkaufsverbote, deutliche Warnhinweise und eine Sondersteuer sollen Minderjährige vom Griff zur bunten Flasche abhalten – Forderungen, deren Sinnhaftigkeit von Experten skeptisch beurteilt wird.

Für den Wiener ÖVP-Drogensprecher Gerhard Pfeiffer ist die Sache klar: Die bunten Flaschen würden auf eine junge Zielgruppe abzielen, oft erkenne man am Markennamen nicht, dass Alkohol drinnen ist. Durch den hohen Gehalt an Zucker und Süßstoffen werde das Alkoholaroma überdeckt; speziell bei Kindern sinke die geschmackliche Hemmschwelle, kritisierte Pfeiffer am Montag in einer Pressekonferenz.

Verpackung

Für ihn gilt es, an mehreren Punkten anzusetzen. Erstens bei der Verpackung: Analog zu Zigarettenschachteln solle schon am Flaschenetikett der genaue Alkoholanteil sichtbar ausgewiesen werden, gemeinsam mit Warnhinweisen über die möglichen Auswirkungen.

Eine Sondersteuer wie in Deutschland, Frankreich oder der Schweiz solle die Premix- Getränke für die Jungen unattraktiv machen. Und schließlich sollte das Jugendschutzgesetz dahingehend geändert werden, das Verkauf und Konsum für unter 18-Jährige verboten wird.

"In Bergwerken arbeiten"

Besonders mit dem letzten Punkt kann die Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft wenig anfangen. "Mit 16 Jahren dürfen Jugendliche heiraten, sind strafmündig, müssen für verursachte Schäden voll aufkommen und dürfen in Ostösterreich alleine rund um die Uhr ausgehen. Ab dem 17. Lebensjahr dürfen sie in Bergwerken unter Tag und in Steinbrüchen arbeiten", listet die Stelle auf. Ein Verkaufsverbot von Alkopops sei daher eine seltsame und "sinnlose" Forderung – eine Sondersteuer und strengere Kontrollen des Jugendschutzes würden aber auch die Jugend^anwälte begrüßen.

Ulrike Kobrna von der Alkoholinformationsstelle Akis des Anton-Proksch-Institutes sieht ebenso ein Problem darin, dass "Alkopops für alles verantwortlich gemacht" werden. Generell sinke die Menge des konsumierten Alkohols in Österreich. Kobrna plädiert dafür, nicht immer die Jugendlichen an den Pranger zu stellen, ältere Erwachsene würden viel eher Probleme mit übermäßigem Alkoholkonsum haben. Laut einer Studie aus dem Jahr 2001 trinken 29 Prozent der 15-Jährigen mindestens einmal wöchentlich Mischgetränke.

Es gäbe aber offensichtlich einen stärkeren Trend unter den Jugendlichen, sich öffentlich – teils bis zur Bewusstlosigkeit – zu betrinken. Gleichzeitig gibt sie zu bedenken, dass Teenager heute mobiler und finanzkräftiger seien: "Früher wurde möglicherweise mehr zu Hause getrunken, mittlerweile wird das öffentlich gemacht." (moe, Der Standard, Printausgabe, 31.08.2004)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Umgerechnet zehn bis 14 Schnäpse kippen Jugendliche, wenn sie bei Clubbings oder Partys sieben, acht Flaschen der so genannten Alkopops trinken

Share if you care.