Ritter der Ehrenlegion

3. September 2004, 20:00
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Der Grazer Immunologe Gernot Tilz wird mit dem höchsten französischen Wissenschaftsorden ausgezeichnet

Graz - Der Grazer Leiter des Immunologischen Laboratoriums an der Medizinischen Universität Graz, Gernot Tilz, wird am 9. September in Wien in den Orden der französischen Ehrenlegion aufgenommen. Es ist dies - nach der Aufnahme in die Akademie der Medizinischen Wissenschaften von Kroatien und der Ernennung zum "Officier dans l'ordre des palmes academiques", dem höchsten französischen Wissenschaftsorden - seine dritte hohe internationale Auszeichnung. Tilz war u.a. wesentlich an der ersten Knochenmarktransplantation im deutschsprachigen Raum beteiligt und hat ein Medikament entwickelt, das lange Zeit Standard zum Schutz von Organtransplantaten war.

Tilz werde in Anerkennung seiner besonderen wissenschaftlichen und medizinischen Leistungen auch in Bezug auf die Zusammenarbeit mit Frankreich geehrt, teilte die Medizinuniversität am Montag mit. Auf dieser langjährigen Kooperation - "eine echte, saubere, internationale Kooperation", wie sie Tilz beschreibt - basieren wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse und deren Umsetzung für die Patienten.

Pionierleistungen

Der Arzt und klinische Immunologe zählt zu den bedeutendsten Pionieren in seinem Forschungsbereich, und war u.a. an der ersten Knochenmarkübertragung im deutschsprachigen Raum (1978) beteiligt. Daneben entwickelte Tilz die Medikamente Antilymphocytic Globulin und Antihymocytic Globulin, die lange standardmäßig zur Verhinderung der Abstoßungsreaktionen bei Organtransplantationen eingesetzt wurden. Erst später wurden monoklonale Marker entwickelt, die heute Anwendung finden. Die aktuellen Forschungsschwerpunkte liegen u.a. in den Bereichen der Autoimmunität, der Immunschwäche und in der Entwicklung der hoch empfindlichen immunologischen Messverfahren.

Gernot Tilz wurde 1941 in Graz geboren, studierte Medizin an der Grazer Universität und an der Westminster Medical School der Universität London und absolvierte zahlreiche Studienaufenthalte in Frankreich, Amerika und England. Den Studien bei dem Medizinnobelpreisträger Jean Dausset am Pariser Blutforschungszentrum (1968) folgte in Graz der Beginn der Transplantationsimmunologie. Am Pariser Hopital Saint Louis gelang dem Grazer auch die Entdeckung eines neuen Antigens ("Atri").

Tilz ist auch Leiter des Grazer Jean-Dausset-Laboratoriums, das sich mit der Charakterisierung von Autoimmunkrankheiten und deren Behandlung, der Erfassung von immunbedingten Abwehrdefekten und deren Korrektur bzw. Substitution sowie der Entwicklung von neuen Mikromethoden und hoch empfindlichen Messverfahren beschäftigt. Der Immunologe ist mit einer Medizinerin verheiratet und hat sieben Kinder. Vier von ihnen haben ebenfalls die medizinische Laufbahn eingeschlagen. Neben der Medizin ist die Musik ein Fixpunkt im Leben des Mediziners. (APA)

  • Gernot Tilz
    foto: uni graz

    Gernot Tilz

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