Ars Electronica feiert 25-Jahr-Jubiläum mit längstem Festival

6. September 2004, 10:51
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"Timeshift" wirft Blicke auf eigene Vergangenheit und die Zukunft - 2. bis 7. September

Mit dem bisher größten und längsten Festival feiert die Ars Electronica von 2. bis 7. September ihren 25. Geburtstag. Das Linzer Festival für Kunst, Technologie und Gesellschaft entführt dabei in die Zukunft: Unter dem Motto "Timeshift" ist die Welt in 25 Jahren Thema des wissenschaftlichen und künstlerischen Programms.

Festlichkeiten

Gefeiert wird mit Veranstaltungen in ganz Linz, vom großen Geburtstagsfest "Vita Pulsante" (3. 9.) bis zur Uraufführung des zentralen Projekts "Apparition" (4. 9.), für das der Komponist und Medienkünstler Klaus Obermaier mit dem Ars Electronica-Futurelab zusammengearbeitet hat. Ebenfalls Teil der Feierlichkeiten ist die heuer von Peter Wolf gestaltete visualisierte Klangwolke "Sense-ation" (4. 9.).

Die Veranstalter wollen mit zahlreichen Neuerungen im Festivalformat, zusätzlichen Veranstaltungen und Special Events noch spannendere Zugänge zu den Festivalthemen bieten. Erstmals verschmelzen bei dem heuer sieben statt sonst fünf Tage dauernden Festival die Eröffnungsveranstaltung und die Prix Ars Electronica Gala zu einem großen Event am 3. 9. im Brucknerhaus. Danach wird das "Vita Pulsante" bis in den Morgen im Bereich um das Ars Electronica Center (AEC) u. a. mit interaktivem Golfen, Musik und der "Langen Nacht der Radiokunst" gefeiert.

Aufarbeitung

Das Festival behandelt die eigene Vergangenheit und die möglichen Konfliktpotenziale, Chancen und Entwicklungen der Zukunft. Im Rahmen des Auftakt-Symposiums "Language of Networks" präsentiert etwa Gerhard Dirmoser sein "Network of Media Art". Dirmoser hat alle bisherigen Ausgaben des Festivals besucht und akribisch dokumentiert. In großformatigen Diagrammen sind nun alle Sichtweisen und Personen aus 25 Jahren Festivalgeschichte dargestellt. Die eigene Vergangenheit ist auch in der schon in New York gezeigten Schau "Digital Avant-Garde", die im Lentos Kunstmuseum zu sehen sein wird (übrigens die erste Kooperation zwischen Ars Electronica und Lentos), Thema des Zukunfts-Festivals.

Das Hauptaugenmerk des "Timeshifts" richtet sich jedoch auf die Zukunft - wenn auch mit einigem Vorbehalt: "Niemand hat diese Gegenwart so vorausgesagt, wie sie geworden ist. Und wenn es jemand getan hätte, hätte ihn niemand ernst genommen", so Leiter Gerfried Stocker. Daher wolle das Festival keine Prognosen erstellen, sondern erkunden, was "wir aus den vergangenen 25 Jahren gelernt haben", wie Co-Leiterin Christine Schöpf sagte.

Trends

In diesen 25 Jahren hat sich das 1979 gegründete Festival mit vielfältigen Trends beschäftigt. Netzwerke und Systeme (1989), virtuelle Welten (1990), den Konsequenzen des technischen Fortschrittes für Evolution (1996) oder Fortpflanzung (2000), mit dem "Mythos Information" (1995) oder dem "Infowar" (1998). Gleich beim ersten Festival war das Problem der Verbindung von Mensch und Maschine das Thema - und ist es bis heute geblieben. "Ich glaube nicht, dass das jemals gelöst wird", so Horst Hörtner, Leiter des Ars Electronica Futurelabs.

Teile

Das Futurelab ist eine der vier Säulen der Ars Electronica, diese sind weiters das 1996 gegründete Ars Electronica Center, die Medienkunstpreise "Goldene Nicas" und das jährliche Festival. Mit Gespür für die relevanten (oder gerade relevant werdenden) Themen hat sich das Festival vor allem international zu einem der bedeutendsten Flaggschiffe der Medienkunst gemausert, das "identitätsstiftend für Linz" (Stocker) geworden ist. Erstmals wurde heuer von der Ars Electronica die "Digital Avant-Garde" in New York präsentiert.

Reigen

Die sieben Ausstellungen des heurigen Festivals spannen den Bogen von der Vergangenheit in die Zukunft des kreativen Schaffens, etwa mit einer Präsentation des Schaffens von Studenten von IAMAS, einer renommierten japanischen Ausbildungsstätte, oder der jährlichen Schau der Prix Ars Electronica-Preisträger "CyberArts" im O.K. Centrum für Gegenwartskunst. Im "Timeshift"-Symposium besonders deutlich ist die Generationen-Thematik, die sich durchs gesamte Festival zieht. Beiträge von Pionieren der vergangenen 25 Jahre, wie Peter Weibel, Esther Dyson, Sherry Turkle, Marvin Minsky oder Stewart Brand, werden von unter-25-jährigen Künstlern und Forschern kritisch kommentiert.

Am Montag (6. 9.) zieht das Brucknerorchester unter Dennis Russell Davies musikalische Bögen von modernen Komponisten wie Ligeti und Eötvös zu heutigen Remixern. Und beim Big Showdown am 7. 9. kommen Spielefreaks auf ihre Kosten: Im Brucknerhaus zeigen Künstler auf großer Leinwand ihre Projekte, die kommerzielle Spiele-Engines als technische Basis haben. Und dann können Teams aus Gamern, VJs und DJs in einem "medientheoretischen Battle zu Volksmusik vs. Breakbeats" antreten.

Entwurf

Auf dem Hauptplatz heißt es "Linz schreibt Zukunft", wenn Besucher und Einheimische Zukunftsszenarien für die Stadt entwerfen sollen. Und dass Medienkunst nicht staubtrocken ist, zeigen viele der Projekte: Mit Wasser gefüllte "Think Tanks", in die Festivalbesucher eintauchen können, um sich isoliert über die Zukunft Gedanken zu machen, Postkarten mit Ansichten aus der Zukunft oder professionelle rumänische Wahrsagerinnen sind ebenso Teil der Veranstaltung wie eine Website, auf der man seine Zukunftsvorhersagen hinterlassen kann.

Bei der Ars Electronica selbst ist sogar die nahe Zukunft derzeit unvorhersagbar. Die Suche nach einer neuen Leitung des Festivals nach der Ausschreibung dauert immer länger und soll nun knapp vor dem Festival entschieden werden, so der derzeitige Leiter Stocker. "Für uns als Unternehmen ärgerlich ist die Verzögerung der Entscheidung", so Stocker, der sich wieder beworben hat und unter den letztverbliebenen Kandidaten ist. Das Gesamtbudget betrug 2003 6,5 Millionen Euro, 55 bis 60 Prozent stammen davon aus der öffentlichen Hand, deren Anteil zu 70 Prozent von der Stadt Linz getragen wird. Der Rest kommt von Land und Bund. (APA)

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