"Investoren parken derzeit ihr Geld"

14. September 2004, 20:04
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Anleger warten derzeit im Geldmarkt ab und investieren in Hedgefonds, sagt Wolfgang Traindl, Leiter des Private Banking der "Ersten" im STANDARD-Gespräch

Standard: Unsicherheit regiert wieder die Märkte, viele trauen auch dem jüngsten Rückgang beim Ölpreis noch nicht - wie veranlagen denn derzeit Ihre Kunden?
Traindl: Im Private Banking sind es derzeit zwei Themen: "Was tun die Zinsen?" und "Wie erhalte ich stabilen Ertrag über den Niveaus der Sparbücher?". Geldmarktprodukte und Alternative Investments sind in der Folge die aktuellen Anlagethemen.

STANDARD: Im Geldmarkt ist aber nichts zu verdienen?
Traindl: Die Investoren parken ihr Geld derzeit. Einerseits, weil die Märkte keine klare Richtung zeigen und die Anleihenrenditen niedrig sind, und andererseits, weil so die Zinssensitivität im Portfolio verringert wird. Mit Renditen zwischen 2,25 und drei Prozent vor Steuern in unseren Euro-Cashfonds bleibt das Geld angesichts von rund zwei Prozent Inflation zumindest erhalten.

STANDARD: In welchen Dimensionen wird solcherart geparkt?
Traindl: Etwa die Hälfte der festverzinslichen Anlagen geht derzeit in den Geldmarkt. Wir verkürzen aber auf der Anleihenseite die Laufzeiten, weil wir mit Zinserhöhungen in Europa rechnen.

STANDARD: Die Hedgefonds auf der Seite der Alternativen Investments sind zwar die große Ertragshoffnung, und es fließen Milliarden in diese Produkte. Wirklich performt haben sie heuer aber auch nicht. Auch die neuen österreichischen Hedgedachfonds haben bis jetzt niemanden vom Hocker gerissen.
Traindl: Heuer läuft es insgesamt schlechter als 2003, das stimmt. Es gibt aber gewaltige Performance-Unterschiede. Unsere hauseigenen Hedgefonds haben aber immerhin bis zu drei Prozent gemacht. Besonders negativ stechen heuer die Trendfolger (CTAs) hervor, eben weil es keine klar ausgeprägten Trends gibt und weil deren Handelssysteme in Seitwärtsmärkten Zeit zur Anpassung brauchen.

STANDARD: Also CTAs verkaufen?
Traindl: Wer heuer gekauft hat und derzeit auf Verlusten sitzt, sollte die CTAs nicht vorschnell verkaufen. Sie werden gute Performance wieder bringen können.

STANDARD: Und die Aktienseite? Unter dem Strich war da heu- er bis jetzt ja auch kein gutes Jahr.
Traindl: Wir bauen Positionen jetzt langsam wieder auf, weil wir nach den Korrekturen der vergangenen Wochen mit einer Gegenbewegung rechnen.

STANDARD: Lohnt sich für Investoren in Festverzinslichen das Warten auf bessere Anleihenrenditen durch Parken in Geldmarktpapieren?
Traindl: Das kann ich Ihnen nicht mit Sicherheit sagen. Wenn die Wirtschaftsdaten allesamt wesentlich schlechter ausfallen sollten als erwartet, dann nicht. (Der Standard, Printausgabe, 30.08.2004)

Interview von Karin Bauer durchgeführt

ZUR PERSON: Wolfgang Traindl ist Leiter des Private Banking und des Asset Management der Erste Bank AG. Dort werden rund 14 Mrd. Euro Kundengelder verwaltet.

  • Traindl:Im Private Banking sind es derzeit zwei Themen: "Was tun die Zinsen?" und "Wie erhalte ich stabilen Ertrag über den Niveaus der Sparbücher?".
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    Traindl:Im Private Banking sind es derzeit zwei Themen: "Was tun die Zinsen?" und "Wie erhalte ich stabilen Ertrag über den Niveaus der Sparbücher?".

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