Studie: Konsumenten sind unzufrieden mit Wissenschaftsberichterstattung

4. September 2004, 00:08
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Fachmagazine im Ranking vor Internet, Tageszeitungen, Radio und Fernsehen - Rezipienten bevorzugen oft andere Themenbereiche als Journalisten

Medienkonsumenten in Österreich sind mit der Wissenschaftsberichterstattung relativ unzufrieden, zeigt eine vom Studiengang Journalismus der Fachhochschule Joanneum in Graz durchgeführte Untersuchung, die am Donnerstag am Rande der Technologiegespräche in Alpbach präsentiert wurde.

Ranking nach Schulnoten

Bei einer nach dem Schulnotensystem durchgeführten Bewertung schnitten Fachmagazine (1,75) am besten ab, gefolgt vom Internet (2,40) und den Tageszeitungen (3,15). "Bedenklich schlecht" schnitten laut den Autoren das Radio (3,19) und das Fernsehen (3,21) ab.

Biologie auf Platz eins

"Eindeutig nicht erfüllt" wird für die Studienautoren der Anspruch der Journalisten, sich nach den Interessen der Medienkonsumenten zu richten. Bei der Themenauswahl steht zwar sowohl bei Journalisten und Rezipienten die Biologie auf Platz eins.

Von den Berichterstattern "geradezu stiefmütterlich behandelt" würden hingegen die Geistes- und Sozialwissenschaften: Während die Rezipienten Geschichte lieben (Rang drei) sowie Kommunikationswissenschaften auf Rang fünf und Psychologie auf Rang sechs reihen, kommen im Ranking der beliebtesten Wissenschaftsdisziplinen diese Fächer bei den Journalisten nur in die untere Hälfte. Die größte Divergenz bei den Interessen findet sich bei der Astronomie: Sie belegt bei den Journalisten Platz vier, bei den Konsumenten hingegen nur Platz elf. Auch an der Medizin scheiden sich die Geister: Bei Journalisten landet dieser Bereich auf Platz zwei, bei den Rezipienten nur auf Platz sieben.

Kriterien: Verständlichkeit, Hintergrundinformation, thematische Tiefe und Nachrichtengehalt

Klare Aussagen trafen die Medienkonsumenten darüber, was für sie gute Berichterstattung ausmacht: Als wichtigste Kriterien definieren sie Verständlichkeit, Hintergrundinformation, thematische Tiefe und Nachrichtengehalt. Weniger wichtig empfinden sie hingegen eine spannende Aufbereitung, Interaktivität, Multimedialität und Sensationsgehalt.

Nicht einverstanden sind die Rezipienten mit der Tendenz, Wissenschaft in so genannten Factboxes zu präsentieren - also als Hintergrundinfo zu aktuellen Themen. Auch mit Wissenschaft als Teil von Meldungs- oder Nachrichtenblöcken oder als eigene Beilage können sie eher wenig anfangen. Lieber sind ihnen eigene Sendungen, Spezialmagazine und eigene Rubriken oder Spezialseiten.

577 Medienkonsumenten, 21 Journalisten befragt

Für die Studie wurden 577 von Medienkonsumenten und 21 von Journalisten ausgefüllte Fragebögen ausgewertet. Zusätzlich wurden fünf Tiefeninterviews mit Journalisten geführt. (APA)

Die Studie wird in dem Sammelband "SciencePop - Wissenschafts- journalismus zwischen PR und Forschungskritik" veröffentlicht, der im September im Grazer Verlag Nausner & Nausner erscheint.

Service

"SciencePop - Wissenschafts- journalismus zwischen PR und Forschungskritik", Hsg. Christian Müller, Verlag Nausner & Nausner, ISBN 3-901402-36-5, 37 Euro

Links

Studiengang Journalismus der Fachhochschule Joanneum

Alpbach

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