Kärntner Skandalheim Görtschach wird geschlossen

26. August 2004, 19:35
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Gewalt und Sexattacken nun Fall für den Staatsanwalt - Auch Franz Wurst war dort tätig

Klagenfurt - Das Landesjugendheim Görtschach wird geschlossen. Es beherbergte zuletzt 24 Burschen, die nun - rechtzeitig vor Schulbeginn - in betreuten Wohngemeinschaften unterkommen sollen.

Seit Jahren hörte man immer wieder von Gewaltausbrüchen und sexuellen Übergriffen an und unter Zöglingen in Görtschach im Kärntner Rosental. Aber es wurde - wie so oft in solchen Fällen - jahrelang geschwiegen und vertuscht. Erzieher, die auf die unhaltbaren Zustände hinwiesen, wurden kaltgestellt. Die Justiz, die schon 1995 mit Vorwürfen gegen den Heimleiter konfrontiert wurde, sah keinen Grund zum Einschreiten, ebenso wenig die Politik.

Den letzten Anstoß gab ein 15-jähriger Heiminsasse, der einen drei Jahre jüngeren Buben vergewaltigt haben soll. Daraufhin wurde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Soziallandesrätin Gabriele Schaunig-Kandut (SP) zeigte sich im STANDARD-Gespräch betroffen, aber auch erleichtert, dass das Jugendheim nun geschlossen wird: "Ich habe schon seit langem ein modernes pädagogisches Konzept eingefordert, mit dem viel besser auf die problematischen Kinder und Jugendlichen eingegangen werden kann."

Extreme Spannungen

Schon im FP-SP-Regierungsübereinkommen sei daher ein Neubau des Heimes mit Wohngemeinschaftscharakter vorgesehen gewesen. Dazu wird es nun nicht mehr kommen, denn die Jugendlichen werden anderswo untergebracht. Von Gewalt und Übergriffen im Heim habe sie nie erfahren, beteuert Schaunig-Kandut, aber "die Spannungen zwischen Heimleitung und Erziehern waren extrem", räumt sie ein. Ob es unter dem mittlerweile suspendierten Heimleiter tatsächlich grobe Missstände gegeben hat, müssen jetzt die Kriminalbeamten klären.

Am Donnerstag wollen die politischen Verantwortlichen entscheiden, wie das neue Heimkonzept aussehen und wo die Heiminsassen künftig Aufnahme finden sollen. Was mit der Landesimmobilie im Rosental geschehen soll, bleibt vorerst noch offen.

Detail am Rande: Der wegen Anstiftung zum Mord an seiner Frau und Missbrauch an minderjährigen Patienten verurteilte Kinderarzt Franz Wurst war jahrelang auch als Kinderpsychologe in Görtschach tätig. (stein/DER STANDARD, Printausgabe, 26.8.2004)

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