Ostanleihen dürften die Euro-Kollegen übertreffen

17. September 2004, 16:54
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Der bisher enttäuschende Wirtschaftsaufschwung bringt Anleihenmärkte, die ihren "Treibstoff" aus der EU-Erweiterung und daraus ergebenden Anpassungen beziehen, in Schwung

So richtig können sich auch die Zinsgurus nicht entscheiden, ob, wann und wie rasch der Anstieg nun weitergehen soll. Aus diesem Aspekt ziehen die Anleihemärkte Vorteile, die ihren Treibstoff aus anderen Quellen beziehen: aus der EU-Erweiterung und den sich daraus ergebenden Anpassungen der neuen Mitgliedsländer zum Beispiel.

Die Zinsdifferenzen der Lokalwährungen zu den Euromärkten sind teilweise noch immer erheblich und hauptsächlich in der Volatilität der Währungen begründet. Das gilt speziell für Ungarn und Polen.

Zinssenkung in Ungarn erwartet

Die Analysten der RZB-Gruppe erwarten allerdings zum Beispiel für Ungarn trotz kleinerer politischer Unsicherheiten keine allzu starke Veränderung der Währungsrelation des Forint zum Euro, wohl aber eine Zinssenkung in naher Zukunft. Aspekte, die für Anleihen mit mittlerer Laufzeit gute Chancen aufzeigen. Während die Rendite der fünfjährigen Forint-Anleihen derzeit noch bei zehn Prozent liegt, lautet die Prognose für März 2005 auf 8,8 Prozent.

Für den polnischen Zloty rechnen die Experten der Erste Bank aufgrund der makroökonomischen Daten längerfristig mit einem Aufwärts-trend, während sie bei den mittelfristigen Zinsen (fünfjährige Anleihen derzeit 7,7 Prozent Rendite) eine stabile Entwicklung erwarten.

Osteuropa-Rentenfonds als Anlage

Für den privaten Anleger bieten sich die Osteuropa-Rentenfonds als Anlageinstrument auf mittlere und längere Sicht (Ausgabeaufschläge beachten!) also weiterhin an. "Wir sind optimistisch für die relative Performance gegenüber Euroland", sagt Roman Swaton, Manager des Espa Bond Danubia (Volumen 272 Mio. Euro) der Erste-Sparinvest. Die schwächere Performance des Fonds im Vorjahr (-3,6 Prozent) begründet er mit "Divergenz statt Konvergenz bei einigen Währungen. Das diente der strategischen Positionierung vor dem EU-Beitritt." Und verschaffte seinem Fonds heuer bereits ein Plus von 6,7 Prozent.

Margarete Strasser, bei Capital Invest für die Ostrentenfonds verantwortlich, erwartet wegen der Annäherung der osteuropäischen Anleihemärkte an den Euromarkt, dass "zentral- und osteuropäische Anleihen die Eurorenten weiter outperformen". Beim Capital Invest Central Europe Bond (2003: -7,15 Prozent, heuer +6,98 Prozent) sind derzeit rund 40 Prozent in Polnischen Zloty-Bonds und 19 Prozent in ungarischen Forint-Anleihen veranlagt.

Ähnliche Schwerpunkte setzt der Raiffeisen-EuroVision-Rent, der im Gegensatz zu den vorgenannten Fonds, die 20 bis 30 Prozent in Euro-anleihen von Ostländern veranlagen, fast ausschließlich in den Lokalwährungen (davon fast 50 Prozent in Zloty, 30 Prozent in Forint) anlegt. (Nikolaus Dolenz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.8.2004)

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