Das Schweigen

8. September 2004, 14:15
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Wolfgang Schüssel dürfte sich wieder auf Besinnung in einem Kloster befinden. Anders ist es nicht zu erklären, dass er sich bisher nicht zum gescheiterten Verkauf eines österreichischen Schlüsselbetriebes geäußert hat. Zur Silbermedaille von Markus Rogan kam zwar eine Gratulationsaussendung ("beweist Innovation im österreichischen Schwimmsport"), aber zum Thema Nr. 1 war (bis Freitagmittag zumindest) Funkstille.

Das könnte jetzt allmählich in eines der beliebten Managementbücher Eingang finden ("Erfolg mit der Trappisten-Methode! Governing by Silence"). Schüssel und die ÖVP haben sich da viel vom Medienmanagement der amerikanischen Ultrakonservativen um George Bush abgeschaut: ganz enge Kontrolle des Zugangs der Medien zu den Führungsfiguren; der Chef wird abgeschirmt und wenn er sich den Medien stellt, dann bestimmt er die Bedingungen; wo es geht, Vertrauensleute in die Medien (ORF) setzen. Früher war Schüssel viel offener, da hatte er auch noch nicht eine im Grunde funktionsunfähige Koalitionsregierung zu managen. Aber ein Kanzler, der zum (missglückten) Verkauf von staatlichen Schlüsselbetrieben nichts sagt, erfüllt seine eigene Funktion ungenügend. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21./22.8.2004)

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